Rezension: „Verity“ von Colleen Hoover

Was euch in „Verity“ erwartet, warum mich das Buch so gut unterhalten hat und weshalb die Geschichte für mich auch beim erneuten Lesen und Hören noch funktioniert, erfahrt ihr in dieser möglichst spoilerfreien, aber trotzdem recht ausführlichen Rezension.

Rezension: "Verity" von Colleen Hoover

Inhalt

Die Jungautorin Lowen Ashleigh soll die gefeierten Psychothriller von Bestsellerautorin Verity Crawford zu Ende schreiben. Diese ist seit einem Autounfall, der unmittelbar auf den gewaltsamen Tod ihrer beiden Töchter folgte, geistig beeinträchtigt und nicht mehr ansprechbar. Lowen akzeptiert das Angebot – vor allem, weil sie sich zu Veritys Ehemann Jeremy hingezogen fühlt – und entdeckt während ihrer Recherchen im Haus der Crawfords Schreckliches.
Quelle: dtv

Meine Meinung

„Verity“ ist eines dieser Bücher, bei denen ich ziemlich genau weiß, dass bestimmte Mechanismen eigentlich sehr offensichtlich darauf ausgelegt sind, mich nervös zu machen – und bei denen es mir trotzdem vollkommen egal ist, weil es einfach funktioniert. Ich habe das Buch inzwischen einmal gelesen und zweimal als Hörbuch gehört und jedes Mal hat mich diese unangenehme, düstere Atmosphäre für sich eingenommen.

Handlung

Lowen Ashleigh ist Autorin, hat bereits Bücher veröffentlicht, der große Erfolg ist bisher aber ausgeblieben. Dann bekommt sie ein Angebot, das eigentlich weit außerhalb ihrer bisherigen Liga liegt: Sie soll die erfolgreiche Psychothriller-Reihe der berühmten Verity Crawford zu Ende schreiben.

Für Lowen ist das zunächst eher einschüchternd als schmeichelhaft. Wie soll sie in die Fußstapfen einer so erfolgreichen Autorin treten und dabei auch noch deren Leserschaft gerecht werden?

Dass sie das Angebot schließlich annimmt, liegt nicht zuletzt an Jeremy Crawford, Veritys Ehemann. Ihm ist Lowen kurz vor dem entscheidenden Meeting bereits zufällig begegnet, als er ihr nach einem verstörenden Unfall auf der Straße geholfen hat.

Verity selbst kann ihre Bücher nicht mehr beenden. Seit einem schweren Unfall befindet sie sich in einem wachkomaähnlichen Zustand und wird im Haus der Familie gepflegt. Also verlässt Lowen New York und zieht vorübergehend zu den Crawfords, um Veritys Unterlagen, Notizen und bisherigen Entwürfe zu sichten.

Und damit wird aus einem ungewöhnlichen Ghostwriting-Auftrag ziemlich schnell etwas sehr viel Unangenehmeres.

Das Haus als Schauplatz

Für mich funktioniert „Verity“ vor allem über seine Atmosphäre. Das Haus der Crawfords wird zu einem regelrechten Kammerspiel: wenige Menschen, abgeschieden von der Außenwelt, eine schwerkranke Frau im oberen Stockwerk und überall die Spuren einer Familie, die gleich mehrere Katastrophen erlebt hat.

Verity und Jeremy haben beide Töchter verloren. Schon allein diese Vergangenheit liegt wie ein Schatten über dem Haus. Dazu kommt Verity selbst, die von Anfang an etwas Unheimliches auf Lowen ausübt. Eigentlich soll sie nicht wirklich auf ihre Umwelt reagieren können – trotzdem häufen sich kleine Situationen, die Lowen daran zweifeln lassen.

Hat sich Verity gerade bewegt? Hat sie Lowen angesehen? Ist wirklich etwas passiert oder steigert Lowen sich immer weiter hinein?

Man muss sich auf diesen leichten Grusel einlassen. Wer jede Szene sofort rational auseinandernehmen möchte, wird wahrscheinlich weniger Freude daran haben. Bei mir hat es dagegen hervorragend funktioniert. Gerade weil Hoover nicht plötzlich Geister durch die Flure schickt, sondern mit Blicken, Bewegungen und Unsicherheit arbeitet, wurde das Haus für mich zunehmend beklemmend.

Veritys Manuskript

Richtig unangenehm wird es, als Lowen zwischen Veritys Unterlagen eine Art Tagebuch in Form eines Manuskriptes findet. Darin zeichnet Verity ein Bild von sich selbst und ihrer Familie, das mit der vermeintlich heilen Vergangenheit der Crawfords kaum vereinbar ist.

Und genau hier liegt für mich eine der größten Stärken des Buches: Das Manuskript verändert den Blick auf Verity komplett. Was Lowen dort liest, ist intim, verstörend und teilweise so unangenehm, dass sich die ohnehin schon bedrückende Atmosphäre im Haus noch einmal deutlich zuspitzt. Plötzlich stehen nicht mehr nur Veritys Unfall und die tragische Vergangenheit der Familie im Raum, sondern auch die Frage, was für ein Mensch hinter der erfolgreichen Autorin eigentlich steckt.

Gleichzeitig ist auch Lowen keine vollkommen neutrale Beobachterin. Sie hat gerade ihre Mutter verloren, die sie bis zuletzt gepflegt hat, ihr eigenes Leben in New York liegt mehr oder weniger in Trümmern und sie befindet sich plötzlich in einem Haus, in dem sie ständig mit Tod, Trauer und Veritys Präsenz konfrontiert wird. Wie rational nimmt sie ihre Umgebung also tatsächlich wahr?

Voyeurismus und Geheimnisse

Das Manuskript bekommt für Lowen schnell etwas Verbotenes. Es gehört eigentlich gar nicht zu ihrer Arbeit, war versteckt und offenbar nicht dafür bestimmt, von jemand anderem gelesen zu werden. Gerade das macht diese Passagen so intensiv: Lowen liest nicht einfach Notizen einer Autorin, sondern dringt immer weiter in einen sehr privaten und geheimen Teil von Veritys Leben ein. Für mich hatte das fast etwas Voyeuristisches. Dieses Gefühl, etwas zu erfahren, das man eigentlich gar nicht wissen dürfte, und trotzdem nicht mehr aufhören zu können. Und unbewusst schlägt Lowen sich auf eine Seite der Eheleute ohne je mit einem von beiden darüber gesprochen zu haben und ohne selbst auch nur beteiligt zu sein.

Spannend fand ich auch, wie sich Lowens moralischer Kompass im Verlauf der Geschichte verschiebt. Anfangs ist sie noch die Außenstehende, die eigentlich nur ihren Auftrag erledigen will, doch mit jedem Geheimnis, das sie entdeckt, und mit jeder emotionalen Annäherung an Jeremy werden ihre Grenzen weicher. Entscheidungen, die von außen betrachtet ziemlich eindeutig problematisch wären, wirken innerhalb dieses abgeschotteten Hauses irgendwann fast nachvollziehbar. Genau das fand ich gleichzeitig faszinierend und unangenehm: Lowen verändert sich nicht plötzlich, sondern Schritt für Schritt, bis man sich irgendwann fragen muss, wie weit man selbst in einer solchen Situation gehen würde.

Jeremy

Lowen begegnet Jeremy noch bevor sie überhaupt weiß, wer er ist. Nach dem verstörenden Vorfall auf der Straße ist er derjenige, der ihr hilft, und schon in dieser ersten Begegnung liegt eine gewisse Nähe zwischen ihnen, obwohl sie sich eigentlich gar nicht kennen. Umso überraschender ist es für Lowen, ihn kurz darauf beim Gespräch über Veritys Buchreihe wiederzusehen und zu erfahren, dass er ausgerechnet ihr Ehemann ist.

Im Haus lernt sie dann eine ganz andere Seite von ihm kennen. Jeremy ist geprägt vom Verlust seiner Kinder und vom Unfall seiner Frau und hat sich mit Verity weitgehend von der Außenwelt zurückgezogen. Anfangs ist zwischen ihm und Lowen vor allem diese bereits vorhandene Anziehung spürbar, doch nach und nach entsteht daraus echte emotionale Nähe. Jeremy öffnet sich ihr, Lowen erlebt ihn verletzlich und erschöpft und fühlt sich immer stärker mit ihm und seinem Leben verbunden.

Gleichzeitig liest sie Veritys Manuskript und dringt damit immer tiefer in einen sehr privaten und dunklen Teil von Jeremys Ehe ein. Dadurch verändert sich nicht nur ihr Blick auf Verity, sondern auch ihre Beziehung zu Jeremy. Ihre Gefühle wachsen also nicht losgelöst von allem anderen, sondern mitten in einer Ausnahmesituation aus Trauer, Isolation, Begehren und Angst.

Das sorgt für eine ziemlich unangenehme emotionale Konstellation: Lowen entwickelt Gefühle für einen Mann, dessen Frau nur wenige Räume entfernt liegt, während sie gleichzeitig Dinge über Verity liest, die ihre eigene Wahrnehmung dieser Frau immer stärker beeinflussen.

Liebe, Begehren, Misstrauen, Trauer und Angst existieren hier irgendwann gleichzeitig – und niemand in diesem Haus betrachtet die anderen noch wirklich neutral.

Colleen Hoover als Thriller-Autorin

Vor „Verity“ war Colleen Hoover für mich ganz klar im Romance-Bereich angesiedelt. Natürlich gab es auch dort schon deutlich dunklere Themen. In „Too Late“ spielen beispielsweise Drogen, Gewalt und toxische Beziehungen eine große Rolle. Trotzdem ist „Verity“ für mich etwas anderes, weil hier nicht die Liebesgeschichte mit düsteren Elementen versehen wird, sondern die psychologische Verunsicherung den Kern der Geschichte bildet.

Und gerade deshalb funktioniert das Buch für mich überraschend gut. Hoover schreibt keinen komplizierten Kriminalfall, bei dem ich Hinweise sammeln und einen Täter entlarven muss. Sie sperrt mich stattdessen mit wenigen Figuren in ein Haus und sorgt dafür, dass ich irgendwann keiner davon mehr vollständig vertraue.

Die Verfilmung

Inzwischen (2026) gibt es „Verity“ auch als Kinofilm mit Dakota Johnson als Lowen, Anne Hathaway als Verity und Josh Hartnett als Jeremy. Die Verfilmung hat mir ebenfalls gut gefallen. Es gibt einige Abweichungen vom Buch, aber nichts davon war für mich ein Dealbreaker.

Trotzdem kommt der Film für mich emotional nicht ganz an das Buch beziehungsweise Hörbuch heran. Gerade Lowens Beschäftigung mit Veritys Manuskript lässt sich beim Lesen viel unmittelbarer erleben. Ich verbringe dort mehr Zeit mit ihren Gedanken und Zweifeln und auch die langsame Veränderung der Atmosphäre im Haus bekommt mehr Raum.

Im Film sehe ich Verity. Im Buch sitze ich gefühlt mit Lowen in diesem Haus und frage mich irgendwann selbst, ob sich diese verdammte Frau gerade bewegt hat.

Verity 2026 - Dunkle Geheimnisse

Fazit

„Verity“ ist für mich vor allem deshalb so gut, weil das Buch meine Wahrnehmung manipuliert. Es gibt keine sichere Person, an die ich mich halten kann: Verity kann ich nicht trauen, Lowen vielleicht auch nicht und selbst Jeremys Perspektive ist von Verlust und Trauer geprägt.

Dazu kommt dieses abgelegene Haus als beinahe künstlich abgeschlossener Lebensraum, in dem sich die Figuren gegenseitig beobachten und beeinflussen und es kaum etwas gibt, das diese Spannung von außen unterbrechen könnte.

Ich kenne die Geschichte inzwischen ziemlich gut. Trotzdem habe ich sie bereits dreimal konsumiert – und allein das sagt wahrscheinlich am meisten darüber aus, wie gut „Verity“ bei mir funktioniert. Der eigentliche Grusel liegt für mich nämlich nicht in Gewalt oder Schockmomenten, sondern in einer viel unangenehmeren Frage: Wem kann ich glauben? Was ist die Wahrheit?

Buchdetails:

„Verity“ von Colleen Hoover
dtv – 13. März 2020 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Taschenbuch – 369 Seiten / 9:26 Stunden als Hörbuch


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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Rezension: „Frostgrab“ von Allie Reynolds

In meiner Rezension zu „Frostgrab“ nehme ich die dramatische Gruppendynamik unter die Lupe.

Rezension: "Frostgrab" von Allie Reynolds

Inhalt

Die Snowboarderin Milla trifft auf einer einsamen Lodge in den französischen Alpen ihre Clique von früher wieder. An diesem Ort haben sie vor zehn Jahren gemeinsam trainiert, bis eine Tragödie alles zunichtemachte. Doch was Milla als harmloses Wiedersehen ansah, entwickelt sich schnell zum gnadenlosen Psychospiel. Plötzlich sind die Handys verschwunden, und die Seilbahn steht still. Dann ist der Erste von ihnen tot. Die eisige Bergspitze droht zum Grab für sie alle zu werden, wenn sie nicht ihr düsterstes Geheimnis offenbaren. Und jeder hat etwas zu verbergen. Besonders Milla.
Quelle: Harper Collins Verlag

Meine Meinung

„Frostgrab“ bringt genau die Zutaten mit, bei denen ich neugierig werde: Schnee, Berge, ein abgelegener Ort und eine kleine Gruppe von Menschen, die plötzlich an diesem Ort festsitzt. Dazu kommt das Umfeld des Snowboardens, das dem Ganzen noch einmal eine eigene Dynamik gibt. Es legt die Basis für Ehrgeiz und Konkurrenz und alten Konflikte lassen nicht lange auf sich warten.

Gerade die abgeschiedene Bergstation hat mir dabei gut gefallen. Sobald die Verbindung zur Außenwelt wegbricht, bekommt die Geschichte dieses klassische Horrorfilm-Gefühl: wenige Menschen, begrenzter Raum und die unangenehme Frage, ob die eigentliche Gefahr vielleicht längst mit im Gebäude sitzt. In einigen Szenen entsteht dadurch tatsächlich eine bedrückende und schaurige Atmosphäre.

Eine Gruppe voller Altlasten

Weniger überzeugt hat mich dagegen die Figurenkonstellation. Fast alle Personen bringen irgendeine Form von Eifersucht, Konkurrenzdenken, verletztem Stolz oder alten Beziehungsgeschichten mit. Nach und nach wird deutlich, dass innerhalb dieser Gruppe kaum eine Verbindung unbelastet ist. Gefühlt hatte jeder mit jedem irgendeine Vorgeschichte, und irgendwann bekam das für mich einen ziemlich deutlichen Soap-Opera-Einschlag.

Dabei fand ich weniger problematisch, dass die Figuren unsympathisch sind. Unsympathische Charaktere können eine Geschichte schließlich genauso gut tragen. Was mich eher gestört hat, war die Häufung der Konflikte. Statt einer glaubhaften Freundesgruppe entstand für mich zunehmend der Eindruck einer Ansammlung von Menschen, die sich gegenseitig kaum ausstehen können und trotzdem jahrelang als Clique funktioniert und sich jetzt an diesem Ort zusammengefunden haben sollen.

Gerade weil der Roman immer wieder auf frühere Freundschaften und gemeinsame Zeiten zurückgreift, hätte ich mir zwischendurch mehr Momente gewünscht, in denen nachvollziehbar wird, warum diese Menschen überhaupt einmal gern Zeit miteinander verbracht haben.

Viel Drama, viele Verbindungen

Auch die Handlung selbst wurde mir im Verlauf etwas zu stark konstruiert. Natürlich lebt ein Thriller wie dieser davon, dass Geheimnisse nach und nach freigelegt werden und frühere Ereignisse plötzlich eine neue Bedeutung bekommen. Bei „Frostgrab“ hatte ich aber zunehmend den Eindruck, dass sehr viele Beziehungen, Zufälle und Entscheidungen exakt ineinandergreifen müssen, damit die Geschichte am Ende auf ihre Auflösung zulaufen kann.

Dadurch verlor das Geschehen für mich etwas von seiner Bedrohlichkeit. Statt mich immer tiefer in die Situation hineinziehen zu lassen, war ich mehr und mehr abgeschreckt von der Fülle an Konflikten.

Wer dagegen genau solche verschachtelten Geschichten mag, in denen fast jede Figur noch ein weiteres Geheimnis mit sich herumträgt und ständig neue Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart auftauchen, dürfte hier deutlich mehr Freude haben.

Fazit

Am stärksten bleibt für mich das Setting von „Frostgrab„. Die verschneiten Berge, das Snowboard-Milieu und die abgeschiedene Unterkunft liefern eine richtig gute Grundlage für einen Thriller mit klaustrophobischer Note.

Die Figuren und ihre Beziehungen waren mir dagegen irgendwann zu überladen. Zu viel Eifersucht, zu viele Verwicklungen und zu viele alte Rechnungen sorgten dafür, dass die Geschichte für mich zunehmend künstlich wirkte.

Schlecht fand ich das Buch deshalb nicht. Es hat gute Ideen und stellenweise eine sehr unangenehme Atmosphäre. In diesem Bereich gibt es für mich aber Thriller, die aus einer abgeschlossenen Gruppe und einem isolierten Schauplatz noch mehr herausholen.

Wer dagegen Lust auf Schnee, Geheimnisse, gegenseitiges Misstrauen und ordentlich zwischenmenschliches Drama hat, bekommt mit „Frostgrab“ genau diese Mischung.

True Crime Tipp

Wer nach „Frostgrab“ noch bei dem Thema Berge, Snowboard fahren und Skiliften noch mit einem echten Kriminalfall befassen möchte, dem kann ich den Fall Raven Vollrath empfehlen. Ohne Ravens Schicksal mit dem Drama in dem Buch vergleichen zu wollen! Wie in „Mordlust“ so treffend zusammengefasst: Hier geht es um echte Menschen und ihre Schicksale.

Relativ neu und meiner Meinung nach sehr gut recherchiert und aufbereitet ist die Folge
#182 „Tod in den Bergen (LIVE)“ von Verbrechen von nebenan: True Crime aus der Nachbarschaft

Besonders interessant ist hier, dass die Folge in Zusammenarbeit mit der Familie entstanden ist und der Fall dadurch sehr nah und ausführlich erzählt wird.

Wer lieber Mordlust hört, findet den Fall auch dort: In der etwas älteren Folge: Mordlust #51 „Armchair Detectives“ wird Raven Vollraths Geschichte ebenfalls aufgegriffen.

Buchdetails:

„Frostgrab“ von Allie Reynolds
HarperCollins – 27.10.2020 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – 705 Minuten


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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Rezension: „Welcome Home“ von Arno Strobel

Rezension: "Welcome Home" von Arno Strobel

Inhalt

Dein größter Traum ist wahr geworden – endlich bist du stolzer Besitzer eines eigenen Zuhauses. Hier kannst du dich sicher und geborgen fühlen. Oder?

Ines und Marco Winkler können ihr Glück kaum fassen, als sie den Schlüssel zu ihrem ersten eigenen Haus in Händen halten. Sofort nach dem Einzug mit ihrer kleinen Tochter Emilia wissen sie: Jetzt sind wir als Familie angekommen. Hier, in unserem kleinen Reich, in der neu gebauten Siedlung »Auf Mons« im beschaulichen Spessart. Auch in der Nachbarschaft finden die Winklers schnell Anschluss, vor allem das Ehepaar Mannstein freundet sich mit der jungen Familie an und schließt ihre Tochter sofort ins Herz.

Doch dann hat Ines eines Nachts das Gefühl, im Schlaf beobachtet zu werden. Als sie die Augen aufreißt, ist da niemand. Auch als sie aufsteht und im Haus nachsieht, kann sie nichts entdecken, was auf einen Einbrecher deuten könnte.

Als sie kurz darauf im noch leerstehenden Nachbarhaus einen Schatten zu sehen glaubt, versucht sie sich zu beruhigen. Wahrscheinlich hat der Umzug sie mehr gestresst als sie dachte. Bestimmt hat sie sich getäuscht. Bis sie am nächsten Morgen begreift: Sie hat ganz richtig gesehen. Es war jemand im Nachbarhaus. Und sie weiß jetzt auch, was er dort wollte. Einen Menschen töten.

Mit einem Mal herrscht Panik in der Siedlung. Wer geht um »Auf Mons«? Wer ist noch sicher? Und wer stirbt als Nächstes?

Quelle: Argon Hörbuch

Meine Meinung

„Welcome Home“ war für mich vor allem eins: gute Unterhaltung. Kein Thriller, der mich mit besonders tief ausgearbeiteten Figuren oder komplexen Beziehungen umgehauen hat, aber eine ziemlich kurzweilige Suche nach dem Täter, bei der immer wieder neue Verdächtigungen aufkommen.

Besonders gut gefallen hat mir dabei das Setting. Ein Neubaugebiet wirkt eigentlich erst einmal ziemlich unspektakulär: neue Häuser, viele Familien, freundliche Nachbarn und dieses typische Bild vom sicheren Eigenheim. Und genau zu dieser eigentlich beschaulichen, idyllischen und sicheren Umgebung steht der brutale Mord in heftigem Kontrast. Besonders Ines hat immer wieder das Gefühl, beobachtet zu werden oder dass sich jemand im Haus befindet. Und die Vorstellung, dass jemand in den eigenen vier Wänden sein könnte, ohne dass man weiß, wie er hineingekommen ist, fand ich ziemlich gruselig.

Nachbarschaft – Schein und Sein

Auch die Nachbarschaft fand ich interessant. Anfangs sind die Nachbarn nebenan, ein älteres Ehepaar, fast schon auffällig freundlich und hilfsbereit. Mir persönlich wären einige dieser Begegnungen eher suspekt gewesen – gerade wie selbstverständlich ihnen teilweise vertraut wird. Ich weiß jedenfalls nicht, ob ich mein Kind nach so kurzer Zeit einfach bei Menschen abgegeben hätte, die ich kaum kenne.

Im Verlauf entwickelt sich die Siedlung dann immer stärker zu einer klassischen Nachbarschaftswache. Jeder beobachtet jeden, plötzlich wirken Kleinigkeiten verdächtig und aus der anfänglichen Gemeinschaft entsteht zunehmend Misstrauen. Immer wieder gibt es neue Personen, auf die der Verdacht gelenkt wird, und genau daraus zieht das Buch einen großen Teil seiner Spannung.

Die Charaktere

Die Figuren selbst bleiben dabei allerdings eher oberflächlich. Ihre Beziehungen und persönliche Entwicklung stehen nicht besonders stark im Mittelpunkt. Stattdessen konzentriert sich die Geschichte fast vollständig auf die Suche nach dem Mörder und darauf herauszufinden, was eigentlich in der Siedlung passiert. Dadurch hat das Ganze stellenweise fast etwas Detektivisches: Hinweise werden gesammelt, Verdächtige ausgeschlossen und neue Spuren verfolgt.

Den finalen Plottwist fand ich auf der einen Seite total cool aber auf der anderen Seite nicht ganz so überraschend, wie er vermutlich gedacht war. Ich hatte relativ früh eine Vermutung, in welche Richtung die Auflösung gehen könnte. Manchmal habe ich mich auch gefragt wieso die Figuren das noch nicht in Betracht gezogen haben. Vielleicht habe ich dafür einfach zu viele Horrorfilme gesehen. Wirklich gestört hat mich das aber nicht, weil der Weg zur Auflösung trotzdem unterhaltsam war.

Fazit

Insgesamt ist „Welcome Home“ für mich kein Thriller mit wahnsinnig viel Tiefgang, aber eine gelungene Schnitzeljagd nach Täter, Motiv und wie er es anstellt. Vor allem das Spiel mit dem vermeintlich sicheren Zuhause, den überfreundlichen Nachbarn und dem zunehmenden Misstrauen innerhalb der Siedlung sorgt für eine unangenehme Atmosphäre. Wer einen kurzweiligen Psychothriller mit klassischem Whodunit-Gefühl und einem leicht gruseligen Home-Invasion-Setting sucht, bekommt hier auf jeden Fall gute Unterhaltung.

Buchdetails:

„Welcome Home“ von Arno Strobel
Argon Hörbuch – 27.08.2025(Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – 8:08 Stunden


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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Rezension: „BlacKkKlansman“ von Ron Stallworth

Rezension: "BlacKkKlansman" von Ron Stallworth

Inhalt

When detective Ron Stallworth, the first black detective in the history of the Colorado Springs Police Department, comes across a classified ad in the local paper asking for all those interested in joining the Ku Klux Klan to contact a P.O. box, Detective Stallworth does his job and responds with interest, using his real name while posing as a white man. He figures he’ll receive a few brochures in the mail, maybe even a magazine, and learn more about a growing terrorist threat in his community.

A few weeks later the office phone rings, and the caller asks Ron a question he thought he’d never have to answer, „Would you like to join our cause?“ This is 1978, and the KKK is on the rise in the United States. Its Grand Wizard, David Duke, has made a name for himself, appearing on talk shows, and major magazine interviews preaching a „kinder“ Klan that wants nothing more than to preserve a heritage, and to restore a nation to its former glory.

Ron answers the caller’s question that night with a yes, launching what is surely one of the most audacious, and incredible undercover investigations in history. Ron recruits his partner Chuck to play the „white“ Ron Stallworth, while Stallworth himself conducts all subsequent phone conversations. During the months-long investigation, Stallworth sabotages cross burnings, exposes white supremacists in the military, and even befriends David Duke himself.


Quelle: Flatiron Books

Meine Meinung

Was für eine abgefahrene Geschichte – und das Verrückteste daran: Sie ist wahr.

Ron Stallworth ist der erste schwarze Polizist und zugleich der jüngste Detective beim Colorado Springs Police Department. Und ausgerechnet er beginnt Anfang der 1970er-Jahre, den Ku-Klux-Klan zu infiltrieren. Was zunächst mit einem Telefonat beginnt, entwickelt sich zu einer vollkommen absurden Undercover-Ermittlung: Stallworth gibt sich am Telefon als weißer Rassist aus, während ein weißer Kollege bei persönlichen Treffen seine Rolle übernimmt.

Allein diese Masche klingt schon so verrückt, dass ich sie in einem Roman wahrscheinlich für ziemlich konstruiert gehalten hätte. Umso abgefahrener ist es zu lesen, dass das tatsächlich funktioniert hat. Stallworth schafft es, sich in den Gesprächen das Vertrauen der KKK-Mitglieder zu erschleichen, indem er ihnen genau das vorspielt, was sie ohnehin hören wollen.

Besonders absurd fand ich, wie verbunden sich einige der Männer mit ihrem vermeintlich weißen neuen Freund fühlen. Sie sprechen offen über ihre rassistische Ideologie, nehmen ihn ernst und sehen ihn als einen von ihnen – ohne auch nur zu ahnen, dass am anderen Ende der Leitung ein schwarzer Polizist sitzt. Gerade dadurch führt die Geschichte den Rassismus des KKK auf eine beinahe schon groteske Art ad absurdum.

Vom Film zum Buch

Ich bin durch den Film auf das Buch aufmerksam geworden und wollte danach unbedingt wissen, wie viel von dieser Geschichte tatsächlich passiert ist. Das Buch ist dabei weniger dramatisch inszeniert als die Verfilmung, dafür bekommt man einen direkteren Einblick in Stallworths Perspektive und in die tatsächliche Polizeiarbeit hinter diesem ungewöhnlichen Fall.

Neben all der Absurdität bleibt natürlich trotzdem hängen, mit welcher Selbstverständlichkeit die KKK-Mitglieder über Hass, Ausgrenzung und vermeintliche Überlegenheit sprechen. Genau dieser Gegensatz macht die Geschichte für mich so eindrücklich: Sie ist stellenweise fast komisch, weil die Situation so grotesk ist – gleichzeitig darf man nie vergessen, welche menschenverachtende Ideologie dahintersteht.

Dazu kommt, wie sehr Stallworth sich mit der ganzen Aktion selbst in Gefahr gebracht hat. Was zunächst spontan beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einer richtigen Undercover-Mission – mit einem ziemlich entscheidenden Problem: Er hatte den KKK-Mitgliedern seinen echten Namen genannt. Während er ihnen am Telefon eine völlig erfundene Identität vorspielte, war seine tatsächliche Person also keineswegs komplett geschützt. Je länger die Ermittlungen laufen und je tiefer er in die Strukturen hineinkommt, desto deutlicher wird deshalb auch, welches Risiko er eingegangen ist. Gerade weil die Geschichte zwischendurch so absurd und stellenweise fast komisch wirkt, fand ich diesen Aspekt besonders heftig und furchteinflößend.

Eine wahre Geschichte, die sich teilweise liest, als hätte sie sich jemand ausgedacht. Gerade deshalb absolut lesenswert.

Buchdetails:

Hinweis: Das Buch ist auf Englisch erschienen.
„Black Klansman“ von Ron Stallworth
Flatiron Books – 31. Juli 2018 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Taschenbuch – 208 Seiten


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

Eine Übersicht meiner Rezensionen findet ihr hier. 🕮