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Rezension: „Too late“ von Colleen Hoover

Rezension: "Too late" von Colleen Hoover - alienicious.de

Inhalt

Asa: Drogendealer, Betrüger, notorischer Frauenheld. Er hat nur eine Schwachstelle: Sloan, seine große Liebe, von der er besessen ist.
Carter: Undercover-Cop. Sein Auftrag: Asa zu überführen. Sein Unglück: dass ausgerechnet Sloan die erste Frau ist, in die er sich verliebt.
Sloan würde für die, die sie liebt, durch die Hölle und zurück gehen. Und das tut sie, jeden einzelnen Tag. Sich mit dem verführerischen Asa Jackson einzulassen, bedeutet für sie die dringend benötigte finanzielle Sicherheit, auch wenn sie dafür ihre Moral aufgeben muss. Denn Asas Liebe zu ihr ist von einer abgründigen Obsession – und diese wird von Tag zu Tag gefährlicher. 
Als Carter in Asas Geschäfte eingeschleust wird, fühlt Sloan sich sofort zu ihm hingezogen, obwohl sie weiß, dass Asa ihn umbringen würde, wenn er es herausfindet. Und Asa war schon immer allen in seinem Leben einen Schritt voraus, auch Sloan. Niemand hat sich ihm jemals in den Weg gestellt. Niemand außer Carter.
Gemeinsam müssen Sloan und Carter einen Ausweg finden, bevor es zu spät ist. 

Quelle: dtv

Meine Meinung

Ein Ausflug in die Dark Romance

Too Late ist kein klassischer Colleen-Hoover-Roman, sondern ein Ausflug in die dunkleren Ecken der Liebe – oder besser gesagt dessen, was manche für Liebe halten. Im Zentrum stehen drei Charaktere, die in einer toxischen Dynamik gefangen sind: eine Frau, die nicht gehen kann, ein Mann, der sie retten will, und ein Täter, der sich für den Helden ihrer Geschichte hält.

Ein Undercover-Cop und eine unmögliche Romanze

Carter, eigentlich undercover als Luke unterwegs, hat einen klaren Auftrag: den Drogendealer Asa Jackson hochnehmen. Doch sein Auftrag wird zum moralischen Dilemma, als er sich in Sloan verliebt – Asas Freundin. Das Problem: Jede Annäherung an sie macht die ohnehin gefährliche Situation noch riskanter.

Carter selbst ist ein beständiger Charakter. Er ist von Anfang an der Gute und bleibt es bis zum Schluss. Seine Loyalität ist unerschütterlich, er riskiert alles für Sloan, und seine Rolle als Cop ist mehr Mittel zum Zweck als wirklich relevant für den Plot. Er ist der typische Held charmant, selbstlos, aber auch ein wenig vorhersehbar.

Sloan – gefangen in einem toxischen Kreislauf

Sloan hat es nie leicht gehabt. Sie kämpft sich seit ihrer Kindheit durchs Leben, studiert, kümmert sich um ihren autistischen Bruder und steckt fest in einer toxischen Beziehung mit Asa. Sie glaubt, von ihm abhängig zu sein – finanziell, aber auch psychisch. Asa hält sie mit einem klassischen Missbrauchsmuster an sich: Gewalt, gefolgt von übertriebener Liebe und Reue.

Trotzdem bleibt sie nicht nur ein Opfer. Sloan ist stark, klug und kämpft für ihre Zukunft. Doch ihre Lage scheint ausweglos, und genau das sorgt für die drückende Atmosphäre des Buches: Sie kann nicht gehen, Carter darf nicht helfen, und Asa gibt sie nicht freiwillig frei.

Asa – ein faszinierend gefährlicher Charakter

Asa Jackson ist nicht nur ein Täter, sondern auch das spannendste Element des Buches. Seine Kapitel sind verstörend, weil sie zeigen, wie jemand seine Realität völlig anders interpretiert. Er liebt Sloan vermutlich wirklich – auf seine kranke, besitzergreifende Weise. Doch er hat nie gelernt, Grenzen zu respektieren. Für ihn existiert nur eines: Sloan darf ihn nicht verlassen.

Seine emotionale Intelligenz beschränkt sich auf das absolute Minimum: Er weiß, dass er sie behalten will, und tut alles, um das sicherzustellen – Lügen, Manipulation, Gewalt. Gleichzeitig hat er ein völlig verzerrtes Frauenbild. Er will, dass Sloan die perfekte, mütterliche, reine Partnerin ist – und doch ist er selbst das komplette Gegenteil davon. Jede Abweichung von seinem Weltbild erschüttert ihn, und genau das macht ihn so gefährlich.

Eine bedrückende Atmosphäre und eine explosive Spannung

Hoover schafft es, eine fesselnde, bedrückende und frustrierende Atmosphäre zu erzeugen. Die Gefahr ist greifbar – Sloan steckt ohnehin in einer toxischen Beziehung, aber durch Carter wird alles noch heikler. Jeder Moment zwischen den beiden ist ein Tanz auf der Rasierklinge. Die Lage eskaliert, bis alles in einem explosiven Showdown mündet.

Und dann kommt das Ende – und genau hier hätte Hoover mutiger sein können. Ein düsteres, realistischeres Finale hätte ein noch stärkeres Statement gegen häusliche Gewalt setzen können. Stattdessen gibt es eine Auflösung, die für das Genre vielleicht typisch ist, aber möglicherwiese nicht ganz der Härte des Themas gerecht wird.

Fazit

Too Late ist keine gewöhnliche Liebesgeschichte, sondern ein intensiver, toxischer Strudel aus Gewalt, Manipulation und Abhängigkeit. Es zeigt eindrücklich, wie Täter ihr Umfeld kontrollieren und wie schwer es ist, aus solchen Beziehungen auszubrechen. Asa ist das Highlight des Buches – ein Antagonist, der gefährlich realistisch geschrieben ist.

Die Liebesgeschichte zwischen Carter und Sloan ist zwar süß, aber letztlich das schwächere Element. Sie ist riskant, vorhersehbar und ein wenig zu cheesy für den düsteren Ton des Buches. Trotzdem sorgt Hoovers packender Stil dafür, dass die Geschichte bis zum Schluss fesselt.

Ich wünsche mir mehr Bücher dieser Art von Hoover – aber mit einem mutigeren, konsequenteren Ende.

Buchdetails:

„Too Late“ von Colleen Hoover (Definitive Edition)
dtv – 11.07.2024
Taschenbuch 13,00 € – 432 Seiten
Verlagsseite


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

Eine Übersicht meiner Rezensionen findet ihr hier. 🕮

Rezension: „To Tempt a God“ von Anna Benning

Rezension: "To Tempt a God" von Anna Benning

Inhalt

»Es heißt, nur diejenigen können unter den Göttern überleben, die ihr Herz zu Stein verwandeln. Doch diese Fähigkeit hast du mir genommen. Mein Herz schlägt für dich, und ich will dich deshalb hassen – aber ich kann es nicht.«
 
In Silver City herrschen die Götter. Menschen dürfen in der Stadt des Lichts zwar leben, aber schon ein falscher Schritt kann für sie den Tod bedeuten. Als Aurora an den Hof der Götter berufen wird, muss sie sich plötzlich in einer Welt voller Grausamkeiten und Machtspiele behaupten. Denn ausgerechnet Colden, der Sohn des gefürchteten Herrschergotts, bindet sie als seine Dienerin für immer an sich. Doch anders als die anderen Götter will Colden Aurora nicht besitzen und verabscheut die barbarischen Regeln, die den Menschen auferlegt werden. Gefangen zwischen Misstrauen, unausgesprochenen Gefühlen und einer verbotenen Anziehung kommen sich Aurora und Colden näher – während die Welt der Götter auf einen Krieg zusteuert, der die fragile Ordnung Silver Citys ein für alle Mal in Stücke reißen könnte …

Quelle: Fischer Sauerländer

Meine Meinung

„To Tempt a God“ ist der Auftakt der Götterlicht-Saga von Anna Benning. Ich bin über das Buch gestolpert, nachdem ich „The Games Gods Play“ gelesen habe und völlig im Mythologie-Fieber war. Entsprechend hoch war meine Lust auf Themen wie Götter, Machtspiele und dramatische Gefühle – und genau das bekommt man hier auch.

Benning entführt uns in eine mythologische, dystopische Welt, in der Licht wortwörtlich das Lebenselixier ist. Während die oberen Schichten der riesigen Städte im Glanz leben, existieren die unteren Ebenen nahezu vollständig in Dunkelheit. Silver City wird von den Göttern beherrscht, die über alles und jeden bestimmen. Menschen sind in diesem Gefüge kaum mehr als Untergebene oder Leibeigene – unfrei und den Launen der Götter ausgeliefert.

Aurora wird als Dienerin – eine sogenannte Valet – auserwählt und auf Lebenszeit an Colden gebunden – den Sohn des herrschenden Gottes. Damit taucht sie mitten hinein in eine Welt aus Intrigen, Machtspielen und Grausamkeiten, in der sie nicht nur überleben, sondern auch ihren Bruder retten muss.

Besonders spannend fand ich dabei die Dynamik zwischen Aurora und Colden: Während Aurora die Götter und ihre grausame Welt zutiefst verabscheut, merkt sie nach und nach, dass Colden nicht so ist wie die anderen Götter. Er hinterfragt viele der barbarischen Traditionen selbst und steht zunehmend zwischen den Erwartungen seiner Welt und seinen eigenen Überzeugungen. Dadurch gerät Aurora immer stärker in einen inneren Konflikt zwischen Misstrauen, Wut und ihren aufkommenden Gefühlen für ihn.

Die Geschichte verbindet dabei klassische Romantasy-Elemente mit einer gesellschaftlichen Dystopie, die die Spaltung zwischen Arm und Reich extrem zuspitzt. Gerade die Bildsprache mit Licht und Dunkelheit ist sehr klar.

Aurora mochte ich als Protagonistin sehr. Sie ist eine klassische starke Heldin, aber nicht unangreifbar. Sie vereint Wut, Mut und den Drang etwas verändern zu wollen mit Ängsten, Verletzlichkeit und emotionalen Konflikten. Dadurch wirkte sie für mich nachvollziehbar und sympathisch.

Die mythologische Welt orientiert sich nicht streng an einer bestehenden Mythologie, bedient sich aber vieler bekannter Bilder und Konzepte rund um Götterdynastien, göttliche Macht und sterbliche Diener. Dadurch fühlt sich die Welt vertraut und gleichzeitig eigenständig an.

Fazit

Insgesamt hat mir das Buch wirklich sehrt gut gefallen. Für mich war es ein echter Page Turner mit einer spannenden Welt, viel emotionaler Spannung und genau der richtigen Mischung aus Dystopie, Mythologie und Abenteuer. Ich habe auf jeden Fall große Lust auf Band 2!

Buchdetails:

„To Tempt a God“ von Anna Benning
Fischer Sauerländer – 28.05.2025 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Gebundene Ausgabe – 544 Seiten – 21,99€
Hörbuch – 13:04 Std. ab 9,99€


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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Rezension: „Nightbitch“ von Rachel Yoder

Erfahrt in meiner Rezension zu „Nightbitch“ warum dieses Buch definitiv mal etwas ganz anderes ist! 😀

Rezension: "Nightbitch" von Rachel Yoder

Inhalt

Eine junge Mutter legt ihre eigene Karriere auf Eis, um sich um ihren Sohn zu kümmern. Ein Knochenjob zwischen Holzeisenbahn und Lätzchen. Doch als sie körperliche Veränderungen feststellt – geschärfte Eckzähne und Haare, die sich wie Fellbüschel anfühlen – entdeckt sie eine unbekannte, animalische Seite an sich. Je stärker sich die rationale Künstlerin auf ihre Verwandlung einlässt, desto natürlicher gestaltet sich die Beziehung zu ihrem Kind. Doch wie soll sie es ihrem Mann erklären, dass der Sohn neuerdings im Hundekorb schläft und statt Joghurt und Cornflakes lieber rohes Fleisch frühstücken möchte?

Quelle: Argon Verlag

Meine Meinung

Mutterschaft, Wahnsinn und der Wunsch nach Selbstbestimmung

Ein Buch, das aus dem Rahmen fällt

„Nightbitch“ ist kein nullachtfünfzehn Roman, den man mal eben nebenbei liest. Schon nach wenigen Seiten war mir klar: Diese Geschichte hat ein ganz eigenes Feeling. Rachel Yoder wirft ihre Leser:innen mitten hinein in den Kopf einer Frau, die Mutter geworden ist – und sich selbst dabei immer mehr verliert. Sie glaubt, sich in eine Hündin zu verwandeln. Und das ist nicht nur provokant, sondern auch tief symbolisch.

Was mich dabei besonders fasziniert hat: Das Buch bleibt absichtlich vage. Die Protagonistin berichtet nach und nach wie sie Veränderungen an sich feststellt, sowohl im Verhalten, in ihrer Wahrnehmung, aber auch konkret körperlich. Die tiefgreifenden Gefühle der Veränderung in ihrer Rolle und Selbstbestimmung, die Müdigkeit, das Ausbrechen aus Normen und gewisse Aggressionen sind gekoppelt an diese animalische Veränderung. Aber gibt es diese Veränderung wirklich physisch? Handelt es sich um eine Art Werwolf-Geschichte? Oder ist es vielmehr eine metaphorische, eingebildete Veränderung. Eine Störung der eigenen Wahrnehmung der Protagonistin? Es gibt Anzeichen und Hinweise, aber es bleibt ungewiss! Und gerade das macht die Geschichte für mich so spannend.

Rollen, die auffressen – im wörtlichen Sinne?

Rachel Yoder gibt ihren Figuren keine Namen. Die Mutter ist „die Mutter“, ihr Mann ist „der Ehemann“, das Kind bleibt „der Junge“. Das wirkt distanziert, ist aber ein kluger Kunstgriff. Es geht nicht um individuelle Biografien, sondern um das System dahinter: um Rollenbilder, Erwartungen, Überforderung.

Zudem wird die Geschichte aus der Perspektive der Mutter erzählt. Es gibt keinen allwissenden Erzähler, der die Situation beschreibt, von daher sind die Bezeichnungen auch Ausdruck von Positionen in ihrem Leben.

Die Protagonistin war früher Künstlerin, voller Ideen, kreativ, intellektuell. Jetzt ist sie hauptsächlich eins: Mutter. Und sie spürt, dass sie langsam verschwindet. Zwischen Spielgruppen und Gesprächen über Kotze und Schlafphasen stellt sich die Frage: Was ist eigentlich noch von mir übrig? Die Verwandlung zur Nightbitch – aggressiv, tierisch, selbstbestimmt – wird zum Ausbruch aus diesen engen Grenzen. Oder zur Flucht?

Körperlichkeit, Kunst und Kontrollverlust

Ein zentrales Thema ist der Körper. Der weibliche Körper, der sich durch Schwangerschaft und Geburt verändert hat – und der plötzlich in ein ganz neues Licht gerückt wird. Die Vorstellung von Weiblichkeit und der Mutterschaft wird durch Erzählungen über rätselhafte Völker fast spirituell hervorgehoben.

Die Mutter entdeckt ihren Körper auf eine ganz neue Art und Weise. Sie beobachtet Veränderungen. Sie spürt ihren Körper ganz neu, sie entwickelt sich in ein neues Wesen. Als ein animalischeres Wesen, was ihr ermöglicht ihre Vorstellungen vom Leben wieder zu erleben.

Es wirkt so, als ob das animalische in ihr ganz ohne ihre Kontrolle hervorkommt. Vielleicht ist es eine Art Selbstschutz, weil sie glaubt diese Veränderungen nicht aus dem Mensch hervorbringen zu können der sie gerade ist. Es braucht mehr, es braucht ein animalisches, starkes und unkontrolliertes Wesen, dass diese Aufgabe für sie erfüllt.

Dabei spielt auch Kunst eine große Rolle. Die Mutter beginnt, sich selbst als Kunstprojekt zu inszenieren, ihre Erfahrungen zu dokumentieren, zu deuten. Ob sie dabei den Bezug zur Realität verliert oder endlich wieder Zugang zu sich selbst findet, bleibt offen. Beides ist möglich – und beides ist nachvollziehbar.

Zwischen Rebellion und Anpassung

„Nightbitch“ ist kein feministisches Manifest im klassischen Sinne, aber es ist ein tief feministischer Text. Es geht um Sichtbarkeit, Selbstbestimmung, Wut und Wildheit. Um die Frage, was passiert, wenn Frauen sich entscheiden, nicht mehr angepasst zu sein – sondern instinktiv, roh, unbequem.

Auch die Beziehung zum Ehemann ist von Distanz geprägt. Er ist oft dienstlich abwesend. Er „hilft mit“, aber das ist auch schon alles. Er nimmt keine aktive Rolle in ihrem Leben ein – so das Gefühl. Die emotionale Last, die Verantwortung, die Isolation – all das bleibt an ihr hängen. Die Nightbitch wird zur Rebellion gegen ein Leben, das sie sich so nie vorgestellt hat. Doch je mehr sie sich in die Nightbitch verwandelt, je mehr sie aus einem Leben in Passivität ausbricht und ihrer wilden und freien Seite Platz einräumt, so aktiver wird auch ihre Beziehung zu ihrem Mann. Sie blüht auf, sie nimmt ihr Leben wieder aktiv in die eigene Hand.

Fazit

„Nightbitch“ ist ein Buch, das herausfordert. Es ist wütend, absurd, körperlich – und gleichzeitig voll leiser Beobachtungen und kluger Gedanken. Rachel Yoder schreibt ohne Rücksicht auf Leser:innen, die eine einfache Antwort wollen. Stattdessen bleibt vieles im Raum stehen – und genau das wirkt nach.

Für mich ist es ein Buch über Kontrollverlust, aber auch über die Kraft, sich neu zu definieren. Über das Spannungsfeld zwischen Mutterschaft und Selbstverwirklichung. Und vor allem geht es der Frage nach wie sehr man sich von Rollenbildern einengen lassen muss. Wie sehr will man angepasst sein? Es erfordert Mut auszubrechen, aber man gewinnt Freiheit und Selbstbestimmung.

Ein herrlich außergewöhnlicher Roman, der einen nicht loslässt. Und vielleicht sogar ein bisschen in den eigenen Kopf kriecht.

Buchdetails:

„Nightbitch“ von Rachel Yoder
Argon Hörbücher – 16.09.2023 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – 8:47Std. – ab 21,95€ (UVP)


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2025

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

Eine Übersicht meiner Rezensionen findet ihr hier. 🕮

Rezension: „Komet“ von Claire Holroyde

In meiner Rezension zu „Komet“ von Claire Holroyde erfahrt ihr, wie diese fesselnde Geschichte die Bedrohung eines heranrasenden Kometen auf die Erde schildert und die tiefgreifenden Auswirkungen auf die Menschheit darstellt.

Rezension: "Komet" von Claire Holroyde

Inhalt

Ein dunkler Komet rast mit beängstigender Geschwindigkeit auf die Erde zu und wird in etwa 180 Tagen einschlagen. Der Komet ist von beängstigender Größe, ein sogenannter „Planeten-Killer“, vergleichbar mit dem Himmelskörper, der einst die Dinosaurier auslöschte.

Eine Allianz aus Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen kommt zusammen, unterstützt von verschiedenen Regierungen und Militärs, um Szenarien zu entwerfen, wie man den Kometen ablenken oder zerstören und die Auswirkungen auf unseren Heimatplaneten minimieren kann.

Es ist offensichtlich: Es bedarf einer waghalsigen Weltraummission, um den Kometen mithilfe einer Atombombe von seinem Kurs abzulenken. Doch ob die Umsetzung dieses Vorhabens in wenigen Monaten realisierbar ist, bleibt unklar.

Meine Meinung

Perspektiven

Der Roman entfaltet sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Wir blicken durch die Augen der Wissenschaftlerin, die den Kometen entdeckt hat, erleben die Perspektive des Wissenschaftlers, der die Mission maßgeblich lenkt, tauchen ein in die Welt einer kleinen Crew von Wissenschaftlern, eines Fotografen und eines Dichters auf einem Schiff in der Arktis, begegnen einer Frau mitten in New York und vielen anderen.

Diese vielfältigen Blickwinkel verleihen der drohenden Katastrophe eine bemerkenswerte Vielschichtigkeit und lassen die Geschichte lebendig werden. Jeder Charakter trägt seine eigenen Ängste, Sorgen und Prioritäten im Angesicht des herannahenden Weltuntergangs und muss entscheiden, wofür es sich lohnt, seine verbleibenden Tage zu opfern. Ihre Gefühle und Gedanken durchlaufen ein tiefes emotionales Tal. Einige sind allein von dem Bestreben getrieben, den Kometen abzuwenden. Einige von ihnen brechen unter dem Druck zusammen, andere passen sich an und entdecken eine neue Sicht auf die Welt und den Wert des Lebens.

Der Weltuntergang naht

Das Beklemmende am „Weltuntergang“ ist, dass die Erde selbst weiterexistieren wird, während die Zukunft der Menschheit in Frage steht. Gewiss nicht in der Form, wie wir sie heute kennen.

Als die Nachricht die Öffentlichkeit erreicht, dass der Komet die Erde tatsächlich treffen wird, bricht die gesellschaftliche Ordnung zusammen. Es beginnt mit banalen Dingen wie der ausbleibenden Müllabfuhr und verschärft sich rasch zu unterbrochenen Lieferketten, Ausfällen der Internetverbindung und einem Versiegen der Trinkwasserversorgung. Die Liste der Probleme ist endlos.

Doch es kommt noch schlimmer: Die sozialen Normen und Werte erodieren in kürzester Zeit, und die Menschen verfallen in einen primitiven Überlebenskampf. Raub, Gewalt, Totschlag und schlimmeres dominieren die Szene, wenn unter dem Druck der Krise Instinkte in uns zum Vorschein kommen. Einige gehen weit über das eigene Überleben hinaus und lassen all den Hass, Neid, Gier und Gewalt freien Lauf ohne den Rahmen aus Gesetzten, Ethik, Kultur und sozialen Normen.

Besonders beeindruckend wird die Fragilität unserer Nahrungsmittelversorgung dargestellt. Die Situation in Großstädten ist äußerst realistisch und beängstigend. In urbanen Zentren sind die Menschen zu hundert Prozent von Lieferketten abhängig, und es gibt bei weitem nicht genug lokale Ressourcen, um die Bevölkerung zu versorgen.

Abgeschottet von der Zivilisation

Eine weitere eindrückliche Perspektive bietet die kleine Forschungscrew auf einem Schiff in der Arktis. Die Autorin illustriert eindrücklich, wie sehr wir global vom Internet abhängig sind. Der Kontakt zu Familie und Freunden ist heutzutage mithilfe des Internets nahezu weltweit gewährleistet. Wenn diese Verbindung abbricht, setzt schnell eine beklemmende Einsamkeit ein. Für die Crew kommt erschwerend hinzu, dass sie keine Informationen darüber erhalten, was auf dem Festland geschieht. Eine schwierige Entscheidung steht ihnen bevor: Sollen sie auf See ausharren und auf ihre Vorräte setzen bis diese schwinden, oder sich ins Unbekannte auf dem Festland wagen? Welche Option ist das kleinere Übel? Die Charaktere vermitteln eindringlich ihre Gefühle angesichts der drohenden Katastrophe und bilden eine kleine, isolierte Gemeinschaft.

Parallelen zu Preppern und der Realität der Pandemie

Die jüngste Covid-19-Pandemie hat uns gezeigt, wie sehr unsere Gesellschaften von der Stabilität der Lieferketten abhängig sind. Dinge wie unterbrochene Lieferketten und der Mangel an Medikamenten sind inzwischen allzu vertraut. Die Geschichte betont die Realitätsnähe solcher Szenarien und verdeutlicht, wie sinnvoll es sein kann, sich auf Krisen vorzubereiten.

Hier zeigt sich die Bedeutung des „Preppertums“. In der Geschichte sind es diejenigen, die Vorräte haben und die Fähigkeiten besitzen, sich selbst zu versorgen, die die besten Überlebenschancen haben. Das Buch spiegelt eine Welt wider, in der das Wissen über das Überleben in der Wildnis und der Zugang zu Ressourcen entscheidend sind und wie sehr unsere „westlichen Gesellschaften“ sich diesem Wissen entfremdet haben.

Hier ein kleine Übersicht vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe →

Emotionale Achterbahn

Ich erwarb dieses Buch aufgrund seines fesselnden Themas und meiner persönlichen Faszination für Szenarien des Weltuntergangs. Doch ich war nicht darauf vorbereitet, wie tief mich diese Geschichte ergreifen würde. Bereits jetzt kann ich sagen, dass „Komet“ eines der bewegendsten Bücher des Jahres 2023 für mich ist. Ich litt mit den Charakteren, fühlte mit ihnen, weinte und fürchtete mich mit ihnen. Manchmal musste ich das Buch beiseitelegen, da es so viele realistische Szenarien aufwirft. Claire Holroyde hat hier hervorragende Arbeit geleistet, indem sie eine fesselnde Geschichte mit vielfältigen Charakteren erzählte und die Verzweiflung und Angst so eindrücklich vermittelte. Und schließlich taucht ein Hauch von Hoffnung am Horizont auf. Ist es möglich, dass die Menschheit eine solche Krise überleben kann?

Fazit

Dieses Buch ist eine Achterbahnfahrt durch die menschlichen Emotionen. Es bietet nicht nur eine spannende und wissenschaftlich fundierte Handlung, sondern auch facettenreiche und authentische Charaktere, deren Entwicklung von anfänglicher Angst bis hin zu fast spiritueller Hoffnung reicht. Es präsentiert eine Geschichte voller realistischer und düsterer Szenarien. Für mich persönlich war es ein absoluter „Page-Turner“ und verdient meine uneingeschränkte Empfehlung.

Snackable-Sciene: Himmelskörper im Überblick

Da die Begriffe Asteroid, Komet, Meteor, Meteroid und Meteorit häufig sehr synonym verwendet werden, hier eine kleine Aufklärung.

  • Kometen sind eisige Himmelskörper mit einem charakteristischen Schweif, der sich bildet, wenn sie der Sonne näher kommen.
  • Asteroiden sind feste Himmelskörper, die im Weltraum zwischen den Planeten unseres Sonnensystems existieren, oft im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.
  • Meteoroiden sind kleinere, feste Objekte im Weltraum, die von winzigen Gesteinsbrocken bis zu mehreren Metern Größe reichen.
  • Meteore sind leuchtende Streifen am Himmel, die entstehen, wenn Meteoroiden in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen. Wir kennen sie als Sternschnuppen.
  • Meteoriten sind die Überreste von Meteoroiden, die die Erdoberfläche erreichen und nicht vollständig verglühen. Sie können aus Stein, Eisen oder einer Mischung von Materialien bestehen.

Buchdetails:

„Komet – Countdown zum Weltuntergang“ von Claire Holroyde
dtv – 18.05.2023
Taschenbuch 12,95€
Verlag: dtv →


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2023

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

Eine Übersicht meiner Rezensionen findet ihr hier.