Kategorie: Rezension

Rezension: „Wild Robot“ von Peter Brown

Rezension: "Wild Robot" von Peter Brown - alienicious.de

Inhalt

Als das Robotermädchen Roz erstmals die Augen öffnet, findet sie sich auf einer wilden, einsamen Insel wieder. Wie sie dorthin gekommen ist und warum, weiß sie nicht. Das Wetter und ein wilder Bär setzen ihr übel zu, und Roz begreift, dass sie sich ihrer Umgebung anpassen muss, wenn sie überleben will. Also beobachtet sie, erlernt die Sprache der Tiere und entdeckt, dass Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sie weiterbringen. Viele würden das Blechmonster zwar am liebsten verjagen, aber Roz gibt nicht auf. Sie zieht ein Gänseküken auf, und endlich fassen die Tiere Vertrauen. Als Roz dann in großer Gefahr schwebt, stehen sie ihr als Freunde bei.
Quelle: Penguin Verlag

Meine Meinung

Eine Roboter strandet

Nachdem ein Container von Bord eines Schiffes ins Meer fällt, spült das Meer eine Ladung Roboter an den Strand einer abgelegenen Insel. Nur ein Roboter ist nicht zerschellt oder zerstört: Roz, eine weiblich programmierte Einheit, landet in einer Welt, fernab von Strom und Technik. Roz, die auf ganz andere Einsatzgebiete programmiert ist muss sich in dieser neuen Welt erst einmal zurechtfinden und ihren Platz suchen.

Gemeinschaft als Schlüssel zum Überleben

Anfangs ist Roz ein Fremdkörper. Die Tiere der Insel begegnen ihr mit Argwohn. Doch mit Geduld, Beobachtung und dem Erlernen ihrer Sprache wird aus der Maschine ein Teil der Gemeinschaft. Besonders zentral: die Beziehung zu Brightbill, einem süßen verwaisten Gänseküken, das Roz adoptiert. Auch andere Tiere – Gänse, Bären, Bieber – treten als Figuren mit Persönlichkeit auf, hilfsbereit, widerspenstig, neugierig oder streitlustig. Die Wildnis ist kein friedliches Idyll, aber sie funktioniert – wenn man zusammenhält.

Die zentrale Aussage ist: Überleben ist in dieser Welt von Gemeinschaft und Zusammenarbeit abhängig. Wenn man sich die Verantwortung teilt kann man ein gutes Leben führen.

Zwischen Natur und Maschine

Roz wird in eine Umgebung geworfen, für die sie eigentlich nicht gemacht ist und genau darin liegt die Stärke der Geschichte. Die Wildnis ist nicht romantisch verklärt: Tiere sterben, der Winter ist erbarmungslos, Nahrung ist knapp. Doch Roz begegnet der Natur mit Respekt. Sie greift so wenig ein wie möglich, sie versucht ihre Bewohner nicht zu stören. Sie beobachtet, versteht und hilft dort, wo es nötig ist.

Auch technisch gesehen ist Roz ein Paradox: Sie ist ein Produkt menschlicher Ingenieurskunst, aber sie ist – ganz im Gegenteil zum Mensch selbst – kein Störfaktor. Roz versucht ein Teil von dieser für sie neuen Welt zu werden.

Eine Metapher – klar, aber kindgerecht

Trotz aller Schlichtheit ist The Wild Robot mehr als eine Abenteuergeschichte. Es ist eine Metapher auf das Menschsein. Roz wird nicht durch einen Defekt menschlich, sondern durch Entscheidungen, durch Zuwendung, durch Verantwortung.
Ich stelle mir vor, dass das für Kinder eine starke Botschaft sein kann:
Du musst nicht perfekt sein, um dazugehören zu können.
Auch wenn du anders bist, kannst du Teil von etwas werden.
Verantwortung, Fürsorge und Gemeinschaft zählen mehr als Stärke oder Wissen.
Veränderung ist möglich – Schritt für Schritt.

Erwachsene können darin Fragen über KI, Umweltverantwortung, Identität und den Platz von uns Menschen in dieser Welt lesen – Kinder können eine Geschichte erleben, in der Respekt, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft von Bedeutung sind.

Fazit:

The Wild Robot ist für mich vor allem eine Geschichte darüber, wie Zugehörigkeit entsteht. Roz landet völlig fremd in dieser Welt und muss erst lernen, wie Zusammenleben überhaupt funktioniert – nicht über große Reden, sondern über Beobachtung, trial and error und Empathie. Gerade das hat mir gefallen.

Das Buch spricht viele große Themen an – Natur, Verantwortung, Gemeinschaft, Familie, Freundschaft, Empathie. Dabei findet das alles in einer mal süßen und manchmal ganz schön harten Rahmenhandlung statt. Von süßen Begegnungen zwischen Roz und einem Küken, bis hin zur erbarmungslosen Natur und Tod ist die Spannweite groß.

Ich glaube, das Buch funktioniert sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gut. Hinter der einfachen Handlung steckt viel Wärme und eine schöne aber auch nicht unrealistische Vorstellung davon, wie Zusammenleben funktionieren kann, ohne dass das Buch dabei kitschig oder belehrend wird. Jeder kann einen Teil für sich raus ziehen, da wo er gerade steht.

Buchdetails:

„Wild Robot“ von Peter Brown (Englisch)
Gesprochen von: Kate Atwater
Erschienen 28.11.2023
Hörbuch – 4 Std. und 14 Min.


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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Rezension: „Die Schwarze Stele“ Band 1-3 von Brandon Q. Morris

Inhalt

Die schwarze Stele Band 1

Ein Artefakt, das nie geborgen werden sollte.
Auf der erdabgewandten Seite des Mondes entsteht ein riesiges Teleskop. Roboter bauen es – gerade einmal zwei Menschen kontrollieren seine Fertigstellung. Doch dann werden diese Forscher auf ein Hindernis im Mondboden aufmerksam. Es befindet sich außerhalb des für das Hyperteleskop reservierten Gebietes und geht die beiden deshalb eigentlich gar nichts an.

Eigentlich, denn ihre Neugier ist zu groß, scheint das Artefakt doch Eigenschaften zu besitzen, die unsere Physik sprengen. Ihre Untersuchungen stürzen unabsichtlich zuerst die Astronauten selbst und später das gesamte Sonnensystem in einen Strudel aus so unausweichlichen wie schrecklichen Ereignissen. Gelingt es ihnen, die geheimnisvolle schwarze Stele unschädlich zu machen, bevor unser aller Zeit abgelaufen ist?
Quelle: https://hardsf.de/buecher/die-schwarze-stele/

Die schwarze Stele Band 2

Wenn die Menschheit an den Grundpfeilern des Universums rüttelt
Die schwarze Stele ist der Vernichtung entgangen – vorerst. Was auf dem Mond niemand ahnt: Das Artefakt hält den Forscher, der es zuerst berührt hat, auf eine ganz besondere Art und Weise gefangen. Wird es ihm gelingen, dieser Falle rechtzeitig zu entkommen? Wenn nicht, steht die Existenz des Sonnensystems auf dem Spiel. Denn die Stele hat eine Funktion, die ihre menschlichen Entdecker für vollkommen unmöglich halten würden – wenn sie denn davon wüssten.
Quelle: https://hardsf.de/buecher/die-schwarze-stele-2/

Die schwarze Stele Band 3

Wenn das Netz der Realität zu zerbrechen droht
Die Schwarze Stele auf dem Mond ist Geschichte – doch nun verändert sich plötzlich ein erdnaher Asteroid auf unbekannte und eigentlich unmögliche Weise. Wieder setzt sich ein Wettrennen der Nationen in Gang. Gelingt es diesmal, die Fehler des ersten Kontakts mit dem Phänomen zu vermeiden? Oder setzen sich die Forscher durch, die den schwarzen Monolithen für ihre eigenen Zwecke nutzen wollen – ohne seine wahre Natur im geringsten verstanden zu haben?
Quelle: https://hardsf.de/buecher/die-schwarze-stele-3/

Meine Meinung

Die „Die schwarze Stele“-Trilogie von Brandon Q. Morris ist für mich eine dieser Reihen, bei denen es wenig Sinn ergibt, die einzelnen Bücher komplett isoliert voneinander zu betrachten. Die Handlung baut nahtlos aufeinander auf und entwickelt sich mit jedem Band weiter – vom wissenschaftlichen Mysterium auf dem Mond hin zu einer immer größeren, fast schon kosmischen Bedrohung. Viele zentrale Ideen entfalten ihre Wirkung deshalb eigentlich erst über alle drei Bücher hinweg, weshalb ich die Reihe lieber als Gesamtwerk bewerten möchte, als jeden Band separat.

Entwicklung über die Bände

Im ersten Band beginnt alles vergleichsweise klein und greifbar: Auf der Rückseite des Mondes stoßen Forscher während ihrer Arbeit an einem gigantischen Teleskop auf eine rätselhafte schwarze Stele. Anfangs wirkt die Geschichte noch wie klassische Hard Sci-Fi mit wissenschaftlichem Fokus, Mondbasis, Forschung und technischen Problemen, bis immer deutlicher wird, dass hinter dem Artefakt etwas steckt, das die bekannten Naturgesetze infrage stellt.

Der zweite Band erweitert die Geschichte deutlich. Die Ereignisse rund um die Stele eskalieren und entwickeln sich von einem isolierten Zwischenfall zu einer Gefahr großen Ausmaßes. Gleichzeitig rücken stärker die politischen Konflikte in den Mittelpunkt: wissenschaftliche Neugier, Machtinteressen und die Frage, wie weit Menschen gehen, um etwas völlig Fremdes zu verstehen oder zu kontrollieren.

Im dritten Band wird die Geschichte schließlich am abstraktesten. Die Bedrohung beschränkt sich längst nicht mehr nur auf den Mond, sondern greift auf andere Bereiche des Sonnensystems über. Es geht nun um das Fortbestehen der gesamten Menschheit.

Hard-Sci-Fi-Ansatz

Besonders gefallen hat mir an der Trilogie der starke Hard-Sci-Fi-Ansatz. Brandon Q. Morris schreibt sehr wissenschaftsnah und arbeitet mit vielen technischen, physikalischen und astronomischen Konzepten. Gerade das Spiel mit Naturgesetzen und die Idee, dass die Menschheit auf etwas stößt, das physikalisch eigentlich unmöglich erscheint, fand ich war ein sehr spannendes Gedankenexperiment. Besonders gefallen hat mir auch dass Wissenschaftler:innen und Ingenieur:innen die Hauptfiguren sind. Die Figuren lösen Probleme vor allem mit Analyse und wissenschaftlichem Denken. Auch wenn es unterschiedliche Ansätze der verschiedenen Parteien auf dem Mond gibt.

Außerdem fand ich den Zeitpunkt, in der die Geschichte spielt, gut gewählt. Die Bücher spielen zwar klar in der Zukunft, wirken aber nie völlig abgehoben oder weit entfernt, wie beispielsweise ein Perry Rhodan Roman. Themen wie Raumfahrttourismus, Mondbasen oder automatisierte/Roboter Technik fühlen sich wie eine glaubwürdige Weiterentwicklung unserer heutigen Welt und Wissenschaft an. Gleichzeitig schwingt immer wieder eine dystopische Stimmung mit: politische Machtspiele, wirtschaftliche Interessen, Konflikte zwischen den Agierenden auf dem Mond, ein Überlebenskampf in der Mondödnis und der Versuch des Menschen, etwas kontrollieren zu wollen, das weit über uns hinausgeht.

Fremde Welten kommen zu kurz

Was mir dagegen weniger gefallen hat, war der spätere Umgang mit den fremden Welten beziehungsweise der Kontakt mit dem möglicherweise außerirdischem Leben und der Reise durch die Spheren. Gerade dieser Teil blieb für mich etwas zu blass und oberflächlich. Die Ideen dahinter waren zwar spannend, aber ich hatte oft das Gefühl, dass diese Konzepte nur angerissen werden, ohne wirklich greifbar zu werden. Besonders die Reisen zwischen den Welten beziehungsweise die größeren kosmischen Zusammenhänge wirkten auf mich teilweise etwas schwammig und unverständlich. Ich konnte mir vieles nur schwer vorstellen und hätte mir gewünscht, dass diese Aspekte klarer rüber kommen. Es war mehr eine transzendente Reise als eine tatsächliche Expedition. Das hat diesen Aspekt für mich zu konstruiert erscheinen lassen.

Fazit

Die Reihe hat mich sehr gut unterhalten und ich habe alle drei Bücher hintereinander gehört. Viele Nächte war ich ein bisschen zu lange wach, weil ich wissen wollte wie es weiter geht! Wer Hard Sci-Fi mit wissenschaftlichem Fokus, physikalischen Konzepten und einer zunehmend größeren kosmischen Bedrohung mag, dürfte diese Reihe mögen. Vor allem die Mischung aus realistischer Zukunftsvision, wissenschaftlicher Neugier und existenzieller Bedrohung macht die „Die schwarze Stele“ zu einer sehr spannenden Sci-Fi-Trilogie.

Buchdetails:

„Die Schwarze Stele“ 1-3 von Brandon Q. Morris
Hörbuch – Rubiton Audioverlag – 2025 (Hier geht’s zu Teil 1, Teil 2, Teil 3🔗)


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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Rezension: „She’s Not Sorry“ von Mary Kubica

Rezension: "She’s Not Sorry" von Mary Kubica - alienicious.de

Inhalt

Ein schrecklicher Unfall.
Eine schockierende Entdeckung.
Niemand ist sicher.

Als Intensivkrankenschwester hat Meghan mit schockierenden Schicksalen zu tun. Als die Komapatientin Caitlin eingeliefert wird, ist sie zutiefst erschüttert: Caitlin soll von einer Brücke gesprungen sein. Meghan fragt sich, was die junge Frau zu dieser Verzweiflungstat getrieben haben könnte. Als ein Zeuge berichtet, Caitlin sei gar nicht selbst gesprungen, sondern wurde von der Brücke gestoßen, wird es für Meghan gefährlich. Viel zu spät begreift sie, dass sie und ihre Tochter die Nächsten sein könnten. 

Quelle: Aufbau Audio

Meine Meinung

She’s Not Sorry beginnt mit einer starken Grundidee: Meghan Michaels arbeitet als Intensivkrankenschwester und betreut eine Patientin, die nach einem Sturz von einer Brücke im Koma liegt. Relativ schnell entsteht dabei das Gefühl, dass hinter dem angeblichen Unfall möglicherweise ein Verbrechen steckt. Gleichzeitig gerät Meghans eigenes Leben immer weiter aus dem Gleichgewicht und besonders die Begegnung mit der mysteriösen Nat sorgt dafür, dass die Stimmung zunehmend bedrückend und misstrauisch wird. Dieses permanente Gefühl von Paranoia, Misstrauen und Bedrückung, fand ich beim Lesen sehr gelungen.

Besonders gut funktioniert dabei der Aufbau mit den verschiedenen Zeitebenen. Mary Kubica verwebt die Handlung so geschickt, dass mir der eigentliche Twist lange nicht aufgefallen ist. Rückblickend ergeben viele Szenen plötzlich mehr Sinn und genau dieser Effekt macht den Thriller stellenweise wirklich spannend.

Trotzdem hatte ich insgesamt große Probleme mit der eigentlichen Handlung. Der Plot wirkt irgendwann extrem konstruiert und überladen. Vor allem die zusätzliche Geschichte rund um Luke und die Angriffe auf Frauen fühlte sich für mich komplett unnötig an. Ein Nebenschauplatz, den man als eigenen Thriller hätte erzählen können. Statt die psychologische Spannung zu verstärken, macht das die Geschichte eher chaotisch.

Mein größter Kritikpunkt ist allerdings Meghan selbst. Sie handelt stellenweise so irrational und leichtsinnig, dass es nicht mehr glaubwürdig wirkt. Dass sie einer nahezu fremden Person innerhalb kürzester Zeit ihre größten und gefährlichsten Geheimnisse anvertraut, sie in ihr Leben und sogar in ihre eigene Wohnung lässt, in der sie mit ihrem Kind wohnt, fühlt sich nicht authentisch an, sondern wie ein reines Plot Device, damit die Geschichte überhaupt funktionieren kann. Viele zentrale Ereignisse passieren nur, weil Meghan sich künstlich irrational verhält — und das hat mich beim Lesen irgendwann mehr frustriert als mitfiebern lassen.

Fazit

Am Ende bleibt für mich deshalb ein Thriller mit einer starken, unangenehmen Atmosphäre, einer Hauptfigur die keine Heldin ist und einem clever eingebauten Stilmittel, dessen eigentliche Handlung aber zu konstruiert wirkt, um mich wirklich zu überzeugen.

Buchdetails:

„She’s Not Sorry – Du könntest die Nächste sein“ von Mary Kubica
Aufbau Audio – 15.07.2025 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – ab 14,99 €


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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Rezension: „Mount Dragon“ von Douglas Preston und Lincoln Child

Rezension: "Mount Dragon" von Douglas Preston und Lincoln Child

Inhalt

Dr. Guy Carson erhält die Chance seines Lebens: Für sechs Monate soll er in der streng abgeschotteten Forschungseinrichtung Mount Dragon arbeiten, wo der Gentechnik-Konzern GeneDyne an einem bahnbrechenden medizinischen Projekt forscht. Mitten in der Wüste von New Mexico angekommen, merkt Carson jedoch schnell, dass hinter den Mauern des Hochsicherheitslabors etwas gewaltig schiefläuft.

Gemeinsam mit seiner Assistentin Susanna Cabeza de Vaca beginnt er, seltsame Vorfälle und das Verhalten seiner Kollegen zu hinterfragen. Dabei geraten die beiden immer tiefer in eine Geschichte über wissenschaftlichen Ehrgeiz, ethische Grenzen und die Gefahren eines Fortschritts, den längst nicht mehr jeder kontrollieren kann.

Meine Meinung

Mit „Mount Dragon“ liefert das Autorenduo Preston und Child einen Wissenschaftsthriller ab, der sich gleichzeitig faszinierend und erschreckend anfühlt. Wie so oft bei dem Autorenduo spielen Wissenschaft, Technik und komplexe Zusammenhänge eine zentrale Rolle. Diesmal dreht sich alles um Gentechnik, künstliches Blut, Virenforschung und die Frage, wie weit der Mensch gehen darf, wenn er versucht, die Natur zu kontrollieren oder sogar zu verbessern.

Dr. Guy Carson

Im Mittelpunkt steht Dr. Guy Carson, ein Wissenschaftler, der einen vermeintlich prestigeträchtigen Job in einer abgelegenen Forschungseinrichtung mitten in der Wüste New Mexicos annimmt. Anfangs ist er begeistert von den Möglichkeiten, dem Hightech-Labor und der Forschung, doch schnell wird klar, dass hinter den Kulissen etwas gewaltig schiefläuft. Genau diesen langsamen Übergang von wissenschaftlicher Faszination zu unterschwelliger Bedrohung fand ich besonders gelungen. Preston und Child schaffen es sehr gut, dieses Gefühl der Isolation und des Kontrollverlusts aufzubauen: ein Hochsicherheitslabor mitten im Nirgendwo, Menschen, die sich zunehmend seltsam verhalten, und ein Virus, dessen Folgen niemand mehr wirklich einschätzen kann.

Macht und Gentechnik

Besonders spannend fand ich dabei, dass das Buch nicht einfach Gentechnik glorifiziert, oder als schlichtweg böse zeichnet. Stattdessen geht es viel um die ethischen Fragen dahinter. Was passiert, wenn wirtschaftliche Interessen schneller voranschreiten als wissenschaftliche Vorsicht? Wie weit darf Forschung gehen, wenn sie theoretisch Millionen Menschen helfen könnte? Und heiligt der Zweck irgendwann die Mittel? Gerade der Konflikt zwischen GeneDyne-CEO Brent Scopes und Charles Levine bringt diese Fragen gut auf den Punkt. Die beiden stehen sinnbildlich für zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen auf Fortschritt: grenzenloser wissenschaftlicher Optimismus (und damit einhergehender Ruhm und Reichtum) gegen vorsichtige Skepsis gegenüber Eingriffen in die biologische Grundlage des Menschen.

Dabei spielt auch die Macht großer Konzerne eine wichtige Rolle. GeneDyne wirkt wie eine Firma, die sich selbst längst über moralische Grenzen hinweg definiert. Geld, Einfluss und wissenschaftlicher Ehrgeiz verschwimmen immer stärker miteinander. Gleichzeitig geht es aber auch um einzelne Menschen mit Rückgrat, die bereit sind, Karriere, Sicherheit oder sogar ihr Leben zu riskieren, um das Richtige zu tun.

Was ich an Preston und Child generell mag, findet sich auch hier wieder: diese Liebe zu wissenschaftlichen Details. Natürlich kann ich nicht beurteilen, wie realistisch die dargestellte Forschung tatsächlich ist, bzw. in welchen Teilen es mit realistischer wissenschaftlicher Forschung im Einklang steht, aber sie wirkt greifbar genug, um die Geschichte glaubwürdig zu machen. Das Buch erinnerte mich stellenweise auch stark an „The Andromeda Strain“ aus 1969 — dieses Zusammenspiel aus Wissenschaft, Katastrophenszenario und der Angst vor etwas, das der Mensch nicht mehr kontrollieren kann.

Trotzdem hat „Mount Dragon“ für mich auch einige Schwächen. Das Buch wirkt über weite Strecken etwas zerfasert, weil sehr viele Themen gleichzeitig angeschnitten werden. Neben der eigentlichen Geschichte um X-FLU und PurBlood geht es zusätzlich noch um indigene Abstammung, Machtkämpfe innerhalb des Konzerns, Liebesansätze zwischen Carson und DeVaca, Konflikte im Labor, persönliche Ideale und philosophische Fragen rund um Evolution und Fortschritt. Vieles davon ist interessant, wirkt aber alles in allem etwas erschlagend. Ich kann mich nicht hundertprozentig festlegen, ob es alles zu viel ist oder ein rundes Bild abgibt.

Die Flucht

Am meisten überrascht hat mich der zweite Teil des Buches. Ich hatte erwartet, dass der Fokus dauerhaft auf dem Labor, der Wissenschaft und dem psychologischen Zerfall innerhalb der Anlage liegt. Stattdessen entwickelt sich die Geschichte irgendwann zu einer langen Verfolgungsjagd durch die Wüste. Dort stehen plötzlich Überlebenskampf, Orientierung, Fährtenlesen und Flucht im Vordergrund. Das war zwar atmosphärisch durchaus spannend, zog sich für mich aber etwas zu sehr in die Länge. Der wissenschaftliche Thriller-Aspekt rückt dadurch zeitweise fast in den Hintergrund.

Technik in den 90ern

Auch merkt man dem Buch sein Alter an. Die Vorstellung von Technik, Überwachung und digitaler Kommunikation ist sehr stark von den 90ern geprägt. Das Cyberspace von Scopes klingt sehr diffus und wenig greifbar. Es ist mehr eine Zukunftsvision von Technik, als konkrete technische Idee. Gleichzeitig ist es fast erschreckend, wie aktuell viele der grundlegenden Themen geblieben sind. Diskussionen über genetische Manipulation, wirtschaftlichen Druck in der Pharmaforschung oder die Frage, wie weit Wissenschaft gehen darf, wirken heute teilweise sogar relevanter als damals.

Fazit

Insgesamt fand ich „Mount Dragon“ sehr unterhaltsam, wenn auch nicht ganz so fokussiert wie andere Bücher von Preston und Child. Der Roman hat starke Ideen, spannende wissenschaftliche Ansätze und eine bedrückende Atmosphäre, verliert sich aber manchmal etwas in seinen vielen Themen und den mehreren Handlungssträngen. Trotzdem mochte ich die Mischung aus Wissenschaftsthriller, Katastrophenszenario und Überlebenskampf — auch wenn nicht jeder Teil davon für mich gleich gut funktioniert hat.

Buchdetails:

„Mount Dragon – Labor des Todes“ von Lincoln Child und Douglas Preston
Audible – 20.12.2007 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗) (Original erschienen 1997)
Hörbuch – 19:09 Std. – ab 6,99€


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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