Kategorie: Rezension

Rezension: Hörspielreihe „Offenbarung 23“ (1-12)

Rezension: Hörspielreihe "Offenbarung 23" (1-12)

Verschwörungen, Geheimnisse, vertuschte Wahrheiten und die große Frage, ob hinter den Dingen vielleicht doch mehr steckt, als wir offiziell erfahren: Eigentlich ist das die perfekte Grundlage für eine Mystery-Serie. „Akte X“ hat schließlich jahrelang vorgemacht, wie viel Spaß es machen kann, sich für eine Weile auf genau dieses „Was wäre, wenn?“ einzulassen.

Mit „Offenbarung 23“ bin ich inzwischen zwölf Folgen tief in eine Hörspielreihe eingetaucht, die genau mit diesem Gedanken spielt. Und obwohl die einzelnen Folgen teilweise so vollgestopft mit Namen, Ereignissen und vermeintlichen Zusammenhängen sind, dass man beim Hören besser nicht für längere Zeit abschweift, funktioniert das für mich erstaunlich gut.

Gleichzeitig hört sich eine Serie über Verschwörungserzählungen heute vermutlich etwas anders an als zu ihrem Start im Jahr 2005.

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

Das Grundprinzip der Hörspielreihe „Offenbarung 23“ hat mich ziemlich schnell abgeholt. Die Serie greift bekannte Verschwörungserzählungen, ungeklärte Ereignisse und moderne Mythen auf und baut daraus ihre Geschichten. Gerade in den ersten Folgen begegnet man dabei immer wieder Themen, von denen man zumindest schon einmal gehört hat.

Genau das erinnert mich ein wenig an „Akte X. Natürlich funktionieren beide Serien vollkommen unterschiedlich, aber sie teilen für mich dieses lustvolle Spiel mit der Realität: Man nimmt etwas Bekanntes, lässt ein paar tatsächliche Fakten einfließen und öffnet dann die Tür für die große Frage: Was wäre, wenn die offizielle Geschichte eben doch nicht die ganze Geschichte wäre?

Und „Offenbarung 23 öffnet diese Tür nicht nur einen Spalt. Die Hörspiele werfen mit Namen, Organisationen, historischen Ereignissen, technischen Details und Querverbindungen geradezu um sich. Ein Hinweis führt zum nächsten, hinter einer vermeintlichen Antwort wartet schon das nächste Geheimnis und Dinge, die zunächst vollkommen unabhängig voneinander erscheinen, werden plötzlich miteinander verknüpft.

Das ist manchmal ziemlich viel auf einmal. Wer nebenbei gedanklich kurz die Einkaufsliste durchgeht, kann fünf Minuten später durchaus das Problem haben, nicht mehr genau zu wissen, welcher Name gerade zu welcher Verschwörung gehört. Gleichzeitig sorgt diese hohe Informationsdichte dafür, dass die Folgen kaum Leerlauf haben. Die Handlung bewegt sich permanent und gibt einem ständig neue kleine Rätsel und Zusammenhänge, denen man folgen kann.

Verschwörungserzählungen haben heute ein anderes Geschmäckle

Dabei muss man sich allerdings bewusst machen, wann „Offenbarung 23“ gestartet ist: 2005. Und ich glaube, dass sich unser gesellschaftliches Verhältnis zu Verschwörungserzählungen seitdem ziemlich verändert hat.

Spätestens seit der Corona-Pandemie haben Begriffe wie Verschwörungstheorie oder Verschwörungserzählung für mich ein anderes Geschmäckle bekommen. Wenn Menschen tatsächlich davon überzeugt sind, dass Regierungen, Wissenschaft, Medien und irgendwelche geheimen Eliten gemeinsam eine gigantische Wahrheit verbergen, ist das plötzlich nicht mehr nur das herrlich absurde Material für Mystery-Geschichten.

Beim Hören hatte ich deshalb durchaus Momente, in denen ich darüber nachgedacht habe, ob eine Serie wie Offenbarung 23″ solche Vorstellungen möglicherweise sogar befeuern kann. Denn das Grundprinzip der Geschichten lautet schließlich immer wieder: Hinter der offiziellen Erklärung steckt noch etwas anderes.

Für meinen eigenen Hörspaß spielt das allerdings kaum eine Rolle. Ich kann die Serie problemlos als das behandeln, was sie für mich ist: Fiktion. Ich höre „Offenbarung 23“ nicht anders, als ich „Akte X“ schaue. Ich kann Mulder dabei zusehen, wie er Aliens, Regierungsverschwörungen und geheimen Experimenten hinterherjagt, ohne anschließend davon auszugehen, dass in irgendeinem amerikanischen Keller tatsächlich außerirdische Leichen versteckt werden.

Trotzdem finde ich diesen Wandel bemerkenswert. Eine Mystery-Serie über Verschwörungen aus dem Jahr 2005 trifft heute auf eine gesellschaftliche Realität, in der Verschwörungserzählungen sehr viel sichtbarer und teilweise auch gefährlicher geworden sind. Das verändert nicht unbedingt die Serie – aber vielleicht die Ohren, mit denen wir sie hören.

All das ändert aber nichts daran, dass ich nach zwölf Folgen ziemlich neugierig darauf bin, wohin mich die Reihe noch führt.


Wenn ihr euch ein bisschen kritischer mit Verschwörungserzählungen und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen auseinander setzen wollt, empfehle ich euch das Buch: „Fake Facts“ von Pia Lamberty und Katharina Nocun.


Wenn eine reale Person zur Figur wird

An einer anderen Stelle fällt mir die Trennung zwischen Realität und Fiktion allerdings schwerer: bei Tron.

Denn die Rahmenhandlung von „Offenbarung 23“ bedient sich nicht einfach nur einer erfundenen Hackerlegende. Hinter Tron steht mit Boris Floricic eine reale Person. Der deutsche Hacker starb 1998, und auch die Umstände seines Todes wurden zum Gegenstand von Spekulationen.

Natürlich ist ziemlich offensichtlich, warum gerade diese Geschichte für eine Mystery-Serie attraktiv ist. Ein Hacker, Geheimnisse, ein früher Tod und offene Fragen – erzählerisch passt das beinahe zu perfekt in die Welt von „Offenbarung 23“.

Hier wird aus einem realen Menschen ein Bestandteil einer fiktionalen Hörspielreihe die Verschwörungsgeschichten thematisiert. Ich weiß nicht, welche Absprachen es damals möglicherweise mit Angehörigen oder anderen Beteiligten gegeben hat und möchte deshalb auch nicht darüber spekulieren. Soviel ich gelesen habe wurde die Verwendung seines Namens und seiner Person kritisch entgegengetreten. Tron selbst konnte einer solchen Verarbeitung seiner Person jedenfalls nicht mehr gegenüberstehen.

Damit stellt sich für mich eine grundsätzlich interessante Frage: Wie weit darf Fiktion gehen, wenn sie reale Menschen übernimmt? Bei historischen Persönlichkeiten, die seit Jahrhunderten tot sind, stellen wir uns diese Frage kaum noch. Bei jemandem, dessen Tod zum Erscheinen der ersten Folgen gerade einmal wenige Jahre zurücklag, fühlt es sich für mich anders an.

Das macht „Offenbarung 23 für mich nicht unhörbar. Aber es ist ein Aspekt der Serie, über den ich beim Hören immer wieder stolpere und bei dem ich eine fiktionalisierte Variante seiner Person bevorzugt hätte.

Wenn ihr euch für die Hintergründe des realen Tron interessiert, empfehle ich euch die Episode #47 „Todesrätsel Tron“ vom Podcast „Verbrechen von nebenan“.

Fazit

„Offenbarung 23 ist für mich bisher vor allem eines: verdammt unterhaltsame Mystery.

Ich mag dieses Spiel mit bekannten Verschwörungserzählungen, historischen Ereignissen und der Frage, was vielleicht noch hinter der vermeintlichen Wahrheit stecken könnte. Die Folgen sind randvoll mit Informationen und Querverbindungen und lassen dadurch kaum Gelegenheit aufkommen, sich zu langweilen. Gleichzeitig muss man bei all den Nam en und Zusammenhängen durchaus ein bisschen aufmerksam bleiben.

Interessanterweise ist es aber gerade das Alter der Serie, das sie für mich heute noch einmal auf einer zweiten Ebene spannend macht. Eine Hörspielreihe, die 2005 mit Verschwörungserzählungen spielte, trifft nach Corona auf ein Publikum, das erlebt hat, welche reale Dynamik solche Erzählungen entwickeln können. Für mich funktioniert die Grenze trotzdem problemlos: „Offenbarung 23“ ist Fiktion und genau als solche möchte ich sie hören.

Mehr Bauchschmerzen bereitet mir dagegen der Umgang mit Tron. Eine reale Person zum Bestandteil einer fiktionalen Verschwörungsgeschichte zu machen, ist eine Entscheidung, die man zumindest kritisch hinterfragen kann und sollte.

All das ändert aber nichts daran, dass ich nach zwölf Folgen ziemlich neugierig darauf bin, wohin mich die Reihe noch führt.

Links

„Offenbarung 23“ bei Wikipedia

„Offenbarung 23“ Fanwiki


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Die rezensierte Hörspielreihe habe ich selber erworben.

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Rezension: „Das Schiff“ von Timo Leibig

Rezension: "Das Schiff" von Timo Leibig

Inhalt

Nach einer beinahe katastrophalen Kollision mit einem fremden Schiff steht der Luxusliner Atlantica völlig isoliert da: keine Verbindung zu Satelliten, kein Land in Sicht, kein einziges Flugzeug am Himmel. Während die Passagiere zunächst auf eine vorübergehende Kommunikationsstörung hoffen, mehren sich die Zeichen, dass sie irgendwo gestrandet sind – oder vielmehr nirgendwo.

Elitesoldat Jack Sullivan und Offizierin Nia Evans kämpfen darum, die Kontrolle zu behalten, doch die wachsende Panik verwandelt das Schiff in einen brodelnden Kessel aus Misstrauen, Angst und Gewalt. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es vollends eskaliert.

Dann taucht das mysteriöse Schiff vom Anfang wieder auf. Es ist verlassen, doch seltsame Technologien sind an Bord aktiv – und ein unheilvoller Countdown läuft herab. Ist dies der Schlüssel zur Rettung oder der Auftakt zu einer Katastrophe, die niemand überleben wird?

Meine Meinung

Wenn ein Kreuzfahrtschiff plötzlich allein ist

Schon der Einstieg von Das Schiff hat mich direkt gepackt: Die Atlantica gerät auf hoher See in eine Situation, die sich zunächst kaum einordnen lässt – und dabei spielt ausgerechnet ein Geisterschiff eine zentrale Rolle. Ein Schiff, das plötzlich auftaucht, die Atlantica fast rammt und nur um Haaresbreite vorbeizieht, sich nicht eindeutig erklären lässt und später erneut eine Rolle bekommt, war für mich einer der stärksten Aufhänger der Geschichte. Ich wollte unbedingt wissen, was dahintersteckt und wie dieses Schiff mit der Situation der Atlantica zusammenhängt.

Danach entwickelt sich die Geschichte zunehmend zu einem Überlebensszenario. Die Atlantica ist von der Außenwelt abgeschnitten, und aus einer ungewöhnlichen Situation wird eine konkrete Bedrohung: Die Menschen an Bord müssen mit begrenzten Ressourcen, fehlenden Informationen und der Frage umgehen, wie sie überhaupt wieder einen Weg nach Hause finden sollen.

Navigation statt einfach „Kurs setzen“

Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass Navigation tatsächlich eine Rolle spielt. Auf einem Schiff reicht es schließlich nicht, einfach in irgendeine Richtung zu fahren. Für die Positionsbestimmung kommen beispielsweise GPS, elektronische Seekarten und verschiedene Navigationssysteme zum Einsatz. Fallen diese Hilfsmittel aus oder liefern keine verwertbaren Informationen mehr, wird die Orientierung auf See zu einem ganz anderen Problem.

Genau dieser Aspekt hat für mich gut zur Situation der Atlantica gepasst: Die Besatzung weiß nicht mehr zuverlässig, wo sie sich befindet, und damit fehlt eine ganz grundlegende Voraussetzung dafür, einen sicheren Kurs festzulegen. Auf dem offenen Meer gibt es schließlich keine Straßen, Schilder oder Kreuzungen, an denen man sich orientieren könnte. Schon kleine Fehler bei Kurs und Position können über größere Distanzen erhebliche Abweichungen verursachen. Der blaue Ozean, der gerade noch Freiheit und Urlaubsentspannung versprochen hat wird auf einmal zum tödlichen Gegner.

Dadurch bekam die Geschichte für mich eine zusätzliche Ebene: Es ging nicht nur darum, was mit dem Schiff passiert ist, sondern auch darum, wie man überhaupt irgendwohin gelangen soll, wenn die eigene Position nicht mehr sicher bestimmt werden kann.

Mysterium und Überleben

Überhaupt lebt der Roman für mich stark von seiner Atmosphäre. Immer wieder gibt es Situationen, bei denen man als Leser genauso wenig weiß wie die Figuren. Das Geisterschiff ist dafür das beste Beispiel, aber auch die fehlende Verbindung zur Außenwelt und die ungewöhnlichen Ereignisse rund um die Atlantica sorgen dafür, dass lange Zeit nicht klar ist, nach welchen Regeln diese Situation eigentlich funktioniert.

Gleichzeitig bleibt die Geschichte nicht bei diesem Mystery-Aspekt stehen. Denn während die Figuren versuchen herauszufinden, was überhaupt passiert, müssen sie sich ganz praktische Fragen stellen: Wie lange reichen die Vorräte? Wie hält man die Menschen an Bord unter Kontrolle bzw. kann man Panik verhindern? Und was passiert, wenn eine große Menge Menschen Angst bekommen und Instinkte Vernunft verdrängen?

Gerade diese Verbindung aus Rätsel und Überlebenskampf hat für mich gut funktioniert.

Jack und Nia

Sehr gut gefallen hat mir außerdem die Dynamik zwischen Jack Sullivan und Nia Evans. Jack bringt als Elitesoldat eine ganz andere Perspektive mit als die Offizierin Nia. Er ist darauf trainiert, in gefährlichen Situationen schnell Entscheidungen zu treffen und Bedrohungen einzuschätzen und zu entsprechend handeln, während Nia stärker aus der Perspektive der Schiffsführung und der Verantwortung für die Menschen an Bord handelt.

Dadurch entstehen unterschiedliche Herangehensweisen an dieselben Probleme. Gerade wenn die Situation eskaliert, wird deutlich, dass es einen Unterschied macht, ob man eine Situation primär als Gefahr, als militärisches Problem oder als Verantwortlicher für hunderte Menschen betrachtet.

Ich mochte deshalb besonders, dass ihre Zusammenarbeit nicht einfach darauf hinausläuft, dass einer von beiden immer die richtige Lösung kennt. Stattdessen müssen sie sich in einer Situation zurechtfinden, in der es kaum verlässliche Informationen gibt.

Fazit

Das Schiff“ hat mir vor allem durch die Kombination aus Geisterschiff, Sci-Fi, Mystery, Navigation und Survival-Szenario gefallen. Besonders der Einstieg mit dem rätselhaften Schiff ist mir im Gedächtnis geblieben, weil daraus zunächst ein Rätsel entsteht, dessen Bedeutung sich erst später weiter erschließt.

Dazu kommen Jack und Nia als Figuren, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Situation schauen, sowie die zunehmende Eskalation innerhalb der Gruppe. Für mich entsteht dadurch ein Szenario, bei dem nicht nur die Frage „Was ist passiert?“ im Mittelpunkt steht, sondern genauso die Frage, was mit einer Gesellschaft passiert, wenn plötzlich niemand mehr weiß, wo er ist, warum er dort ist und ob Hilfe überhaupt noch kommt.

Das Zusammenspiel dieser Elemente hat für mich Das Schiff zu einem gelungenen Mystery-Survival-Thriller gemacht.

Buchdetails:

„Das Schiff“ von Timo Leibig
Lübbe Audio – 25.06.2025 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – 9:16 Std.


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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Rezension: „Die letzte Arche“ von Joshua Tree

Rezension: "Die letzte Arche" von Joshua Tree - alienicious.de

Inhalt

Die klinische Psychologin Marlene Richter erhält eine Einladung von einem mysteriösen Milliardär: Sie und tausend weitere Experten verschiedenster Fachrichtungen werden an Bord eines Luxusliners gebeten. Dort angekommen, überschlagen sich die Ereignisse: Der Himmel verdunkelt sich, selbst die Sterne erlöschen – und der Gastgeber der Reise scheint es vorhergesehen zu haben. Während die Erde langsam zufriert, der Wind abebbt und die Wellen verschwinden, werden geheimnisvolle Koordinaten zur letzten Hoffnung der Passagiere. Doch das laut Seekarten leere Gebiet ist nicht das einzige Geheimnis an Bord: Wieso sind die untersten sieben Decks versperrt? Wieso hat jeder Passagier einen persönlichen Brief des Milliardärs erhalten, will aber nicht darüber sprechen? Und was werden sie bei den Koordinaten finden?
Quelle: Argon Verlag

Meine Meinung

Eine Einladung zu einer exklusiven Kreuzfahrt. Tausend Passagiere. Ein milliardenschwerer Gastgeber. Und schon früh das Gefühl, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Genau dieses Gefühl macht für mich einen großen Teil der Faszination von Die letzte Arche aus. Das Buch beginnt wie ein Rätsel. Warum wurden diese Menschen ausgewählt? Was verfolgt Marcus Chen wirklich? Und warum scheint niemand genau zu wissen, worauf er sich hier eigentlich eingelassen hat?

Besonders mulmig wurde es für mich in dem Moment, als klar wird, dass sich auf dem Schiff nicht einfach wohlhabende Kreuzfahrtgäste befinden, sondern Wissenschaftler:innen, Psycholog:innen, Ingenieur:innen und Expert:innen unterschiedlichster Fachrichtungen. Plötzlich wirkt die Reise nicht mehr wie ein luxuriöser Ausflug, sondern wie ein sorgfältig zusammengestelltes Projekt. Gleichzeitig stellte ich mir immer wieder die Frage, wie realistisch es eigentlich ist, dass so viele hochkarätige Spezialist:innen einer Einladung eines Milliardärs folgen würden.

Die Arche

Das Schiff wirkt wie ein eigenes kleines dystopisches Biotop. Es gibt die oberen Decks und die unteren Decks, zwei Welten, die kaum Berührungspunkte haben und teilweise sogar gegeneinander arbeiten. Jeder scheint Informationen zurückzuhalten, verschiedene Gruppen verfolgen ihre eigenen Interessen und als Leser versucht man ständig herauszufinden, wer eigentlich was weiß.

Dunkelheit

Einer der stärksten Aspekte des Romans ist für mich die Dunkelheit. Nicht als Kulisse, sondern als Bedrohung. Als Sonne, Sterne und Orientierungspunkte verschwinden, wird einem plötzlich bewusst, wie verloren Menschen auf dem offenen Ozean eigentlich sind. Erst in dieser Situation wird greifbar, wie viel Oberfläche der Erde von Wasser bedeckt ist und wie abhängig wir von Licht, Navigation und vertrauten Bezugspunkten sind. Die Dunkelheit wirkt dabei nicht nur äußerlich. Sie kriecht in die Gemüter der Passagiere erst als mulmiges Gefühl, später buchstäblich in Form von Kälte. Viele kennen das Gefühl, im Winter müde oder antriebslos zu werden. Das Buch nimmt diesen Gedanken und steigert ihn ins Extreme: keine Sterne, kein Horizont, keine Aussicht auf Besserung, keine Hoffnung.

Gleichzeitig hat mich der Roman stellenweise auch frustriert. Es werden sehr viele Fragen aufgeworfen, aber nur wenige beantwortet. Was genau ist passiert? Warum verhalten sich die Naturgesetze plötzlich anders? Was steckt hinter Chens Plan? Und warum erreicht – bei all der akribischen Vorbereitung der Arche – ausgerechnet seine entscheidende Nachricht nicht die Menschen? War das Absicht? Manche dieser offenen Punkte haben meine Neugier geweckt, andere fühlten sich eher wie bewusst zurückgehaltene Informationen an.

Science Fiction

Interessant fand ich auch meinen Gedanken zur Einordnung als Science-Fiction-Roman. Gefühlt liest sich das Buch wie Science Fiction, tatsächlich gibt es im ersten Band aber erstaunlich wenige klassische Science-Fiction-Elemente. Die Arche selbst ist zwar gewaltig und erinnert an ein Generationenschiff oder einen futuristischen Bunker zum Erhalt der Menschheit, technologisch bewegt sich vieles jedoch noch in einem Bereich, der nicht weit von unserer Gegenwart entfernt ist.

Die eigentlichen Science-Fiction-Fragen entstehen eher im Hintergrund. Was ist mit Sonne und Sternen passiert? Warum scheinen physikalische Gesetzmäßigkeiten nicht mehr zu funktionieren? Gibt es eine künstliche Ursache? Oder steckt etwas völlig anderes dahinter? Das Buch liefert darauf noch keine Antworten, legt aber die Grundlagen für größere Ideen.

Fazit

Am Ende fühlt sich Die letzte Arche deshalb weniger wie ein abgeschlossener Roman an, sondern wie der sehr groß angelegte Auftakt einer Trilogie. Die Reise der Figuren beginnt gerade erst und die eigentlichen Geheimnisse liegen noch vor ihnen.

Das ist gleichzeitig meine größte Kritik und der Grund, warum ich weiterlesen möchte. Die vielen offenen Fragen, die verschiedenen Lager auf der Arche und die zahlreichen Figuren mit ihren eigenen Plänen und Absichten können durchaus verwirrend sein. Trotzdem hat mich das Buch neugierig gemacht. Ich möchte wissen, was hinter der Dunkelheit steckt. Ich möchte wissen, was Marcus Chen wirklich geplant hat. Und ich möchte herausfinden, ob die Reihe für all die Fragen, die sie hier aufwirft, auch überzeugende Antworten liefern kann.

Buchdetails:

„Die letzte Arche“ von Joshua Tree (Band 1)
Argon Verlag – 10.11.2025 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – 9:49 Std.


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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Rezension: „Juniper Hill“ von Devney Perry

Rezension: "Juniper Hill" von Devney Perry - alienicious.de

Inhalt

Es ist der fünftschlimmste Tag ihres Lebens, als Memphis in Montana ankommt. Mit ihrem kleinen Sohn auf dem Rücksitz einmal quer durchs Land zu ziehen ist mit Abstand das Verrückteste, was sie je gemacht hat. Aber vielleicht muss sie jetzt verrückt sein, um noch mal neu anzufangen? Auch wenn das bedeutet, dass sie ihr privilegiertes Leben zurücklässt und von nun an als Hausmädchen im Eloise Inn arbeitet.
Am fünftschlimmsten Tag ihres Lebens trifft Memphis aber auch auf Knox Eden – einen der attraktivsten Männer, den sie je gesehen hat. Knox ist ein gefeierter Gourmet-Koch … und ihr Vermieter. Mit seinem Dreitagebart, den tätowierten Oberarmen und seiner direkten Art ist er alles, was sie will, aber nicht haben kann.
Denn am allerschlimmsten Tag ihres Lebens muss Memphis lernen, alle Träume aufzugeben. Und dazu gehört auch der Traum von einem Leben mit Knox.

Quelle: Audible/Saga Egmont

Meine Meinung

Obwohl mich Teil 1: Indigo Ridge schon nicht komplett überzeugen konnte, habe ich mit Juniper Hill trotzdem weitergemacht. Irgendwie sind diese Bücher eben genau das: seichte Unterhaltung für zwischendurch. Nicht besonders tiefgründig, aber leicht konsumierbar. Leider hat Band 2 für mich aber eher gezeigt, dass die Reihe einfach nicht meinen Geschmack trifft.

Idylle

Geblieben ist zwar die ruhige, idyllische Kleinstadtatmosphäre von Quincy, die durchaus gemütlich wirkt und deren Natur wunderschön ist. Der Kriminalfall aus Band 1 fällt diesmal allerdings komplett weg, stattdessen steht Memphis mit ihrer Vergangenheit und ihrem Familiendrama im Mittelpunkt. Das Problem ist nur: Mich hat das emotional überhaupt nicht erreicht.

Generell fand ich die Figuren erneut ziemlich blass. Vor allem die Liebesgeschichte konnte ich nur bedingt nachvollziehen. Dass Knox sich so liebevoll um Memphis’ Sohn kümmert und dadurch natürlich automatisch ihr Herz gewinnt, soll vermutlich besonders emotional wirken — für mich fühlte sich das aber eher wie eine sehr einfache Abkürzung für Nähe an als wie eine wirklich spannende oder tiefgehende Beziehungsentwicklung.

Memphis

Dazu kommt, dass Memphis zwar erst als Frau dargestellt wird, die unbedingt alleine klarkommen und unabhängig sein möchte, am Ende aber doch wieder genau das klassische Romance-Paket bekommt: Familie, Sicherheit, Haus, Hochzeit, Kinder, versorgt sein. Auch wenn sie einen eigenen Anteil hat wird ihr letztlich sehr viel von außen gegeben, statt dass sie sich tatsächlich selbst etwas aufbaut. Und genau diese Vorstellung von Glück — Ehe, Kinder, heile Familienidylle — zieht sich wieder so stark durch das Ende, dass es mich eher frustriert hat als emotional mitzunehmen. Die starke Fokussierung auf die Mutterrolle ist einfach etwas, womit ich persönlich überhaupt nichts anfangen kann.

Fazit

Ich verstehe, warum viele Menschen solche Bücher mögen. Die Atmosphäre ist warm, gemütlich und emotional sicher. Man weiß ziemlich genau, was man bekommt, und wenn man diese Art von Familienbild romantisch findet, funktioniert das wahrscheinlich auch wunderbar. Für mich persönlich war Juniper Hill aber eher der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich mit der Reihe nicht weitermachen möchte.

Buchdetails:

„Juniper Hill“ von Devney Perry, Die Edens, Band 2
Saga Egmont – 07.10.2025 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – 9:26 Std.


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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