Kategorie: Rezension

Rezension: „Nachbarskind“ von Anita Waller

In meiner Rezension zu Nachbarskind von Anita Waller erzähle ich euch, warum mich der Auftakt rund um Jeanette Gregson packen konnte, die Geschichte mit Martha aber für mich zunehmend an Glaubwürdigkeit verlor.

Rezension: "Nachbarskind" von Anita Waller

Inhalt

Ein Blick durchs Schlüsselloch – in ein Haus, in dem nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Dunkel, intensiv und fesselnd: Der nervenaufreibende Psychothriller von Bestsellerautorin Anita Waller.

Janette Gregson hat sich in die einsame Sicherheit ihres Hauses zurückgezogen. Als sie einem unerwarteten Besucher die Tür öffnet, stürzt ihre Welt brutal in sich zusammen. Monate später bringt sie ein Kind zur Welt. Im Keller, ganz allein – das Erbe eines Verbrechens, das nie ans Licht kommen darf. Janette wird zur Gefangenen ihrer Vergangenheit und ihrer eigenen Ängste. Doch was passiert, wenn das Kind zum Mittelpunkt eines neuen, verstörenden Spiels wird? Denn irgendwann kommt jedes Geheimnis ans Licht …
Quelle: Digital Publishers

Meine Meinung

Das Buch ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die wiederum „Bücher“ genannt werden. Der erste Teil, der sich mit Jeanette Gregson beschäftigt, hat mir mit Abstand am besten gefallen. Jeanette ist eine absolute Einsiedlerin, deren Leben von schweren Traumata und psychischen Auffälligkeiten geprägt ist. Sie hat sich eine eigene Welt geschaffen in der sie, geformt von einer schwierigen Kindheit, zurecht kommt. Sie betreibt eine Hundepension und es wird schnell klar, dass sie für die Hunde in ihrer Obhut wesentlich mehr Zuneigung und Verbindung empfindet als für Menschen im Allgemeinen. Ihr einziger Freund ist ihr Hund. Aus ihrer Perspektive zu lesen war für mich etwas Neues und Spannendes – gerade weil vieles in ihrem Verhalten zwanghaft und auf den ersten Blick wenig nachvollziehbar erscheint. Das hat den Abschnitt für mich intensiv, beklemmend und auf eine verstörende Weise faszinierend gemacht.

Mit dem Auftreten des Kindes Martha verlagert sich der Fokus – und damit verlor das Buch für mich an Stärke. Anfangs fand ich es noch interessant, Marthas Entwicklung zu begleiten. Doch je weiter die Geschichte voranschritt, desto weniger nachvollziehbar wurde ihr Verhalten. Ihre Gemütszustände schwanken ständig: mal von dem schwer traumatisiert und gestörten Mädchen, der die Welt fremd ist. Mal zu einem fast normal wirkenden Mädchen, das freundlich und ausgeglichen ist und dazu hochbegabt. Später folgt ein plötzlicher Bruch in der Geschichte bei dem sie fast „böse“ erscheint. Dieser Bruch war aus Storytelling Sicht fast zwangsläufig notwendig und voraussehbar. Auf der anderen Seite wurde er fast wieder zurückgenommen oder negiert in dem Martha wieder in die Rolle der freundlichen und netten Adoptivschwester zurückfällt. Es ist nicht eindeutig, ob sie all ihr Verhalten spielt als Mittel zum Zweck, oder sie eine psychisch traumatisierte, zwiespältige Figur darstellen soll. Diese Inkonsequenz hat mir den roten Faden genommen und ließ die Figuren unausgereift wirken.

Auch der Ausgang der Geschichte konnte mich nicht so recht überzeugen. Die Entwicklungen und Verbindungen, die zu dem Ende des Buches geführt haben – welches ich an dieser Stelle nicht spoilern möchte – waren für mich nicht derart ausgeprägt um das Ende zu erklären. Vieles wirkte zu konstruiert und unglaubwürdig. Die Emotionen blieben – vor allem ab dem zweiten Teil – für mich oft blass und nicht nachvollziehbar. Ich denke, die Geschichte hätte davon profitiert, wenn sich die Autorin stärker auf eine der beiden Figuren und deren Erzählstrang konzentriert hätte.

Einige Elemente fand ich allerdings durchaus gelungen. Die Idee mit den Tagebüchern in Bilderform war ein originelles Detail. Auch die thematischen Schwerpunkte – Familiendrama, Adoption, psychologische Folgen von Traumata, die Arbeit von Sozialarbeitern und Psychologen sowie die Frage, wie nah man Menschen wirklich kommt – hatten Potenzial. Das Buch lebt von der Idee „Man kann Menschen nur vor den Kopf schauen“, niemand weiß mit Gewissheit was sich hinter der Fassade abspielt und niemand weiß welche Schicksale sich hinter verschlossener Tür zutragen. Leider wurde dieses nicht konsequent genutzt. Die Chemie zwischen Martha und ihrer Adoptivschwester wirkte für mich sehr merkwürdig und hat stark geschwankt.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Buches, das sehr stark beginnt, dann aber an Stringenz und Glaubwürdigkeit verliert. Die Botschaft „Man kann Menschen nur vor den Kopf schauen“ ist wichtig und treffend, doch die Umsetzung konnte mich nicht durchgehend überzeugen.

Fazit

Ein Psychothriller mit intensivem und interessantem Start und spannender Grundidee, der aber je weiter die Geschichte voranschreitet immer konstruierter wirkt und seine Figuren nicht stringent entwickelt.

Buchdetails

„Nachbarskind“ von Anita Waller
dp audiobooks – 17.07.2025 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – 09:06h – ab 4,95 €


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2025

Das rezensierte Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar von Digital Publishers zur Verfügung gestellt.

Eine Übersicht meiner Rezensionen findet ihr hier. 🕮

Rezension: „Nightbitch“ von Rachel Yoder

Erfahrt in meiner Rezension zu „Nightbitch“ warum dieses Buch definitiv mal etwas ganz anderes ist! 😀

Rezension: "Nightbitch" von Rachel Yoder

Inhalt

Eine junge Mutter legt ihre eigene Karriere auf Eis, um sich um ihren Sohn zu kümmern. Ein Knochenjob zwischen Holzeisenbahn und Lätzchen. Doch als sie körperliche Veränderungen feststellt – geschärfte Eckzähne und Haare, die sich wie Fellbüschel anfühlen – entdeckt sie eine unbekannte, animalische Seite an sich. Je stärker sich die rationale Künstlerin auf ihre Verwandlung einlässt, desto natürlicher gestaltet sich die Beziehung zu ihrem Kind. Doch wie soll sie es ihrem Mann erklären, dass der Sohn neuerdings im Hundekorb schläft und statt Joghurt und Cornflakes lieber rohes Fleisch frühstücken möchte?

Quelle: Argon Verlag

Meine Meinung

Mutterschaft, Wahnsinn und der Wunsch nach Selbstbestimmung

Ein Buch, das aus dem Rahmen fällt

Nightbitch“ ist kein nullachtfünfzehn Roman, den man mal eben nebenbei liest. Schon nach wenigen Seiten war mir klar: Diese Geschichte hat ein ganz eigenes Feeling. Rachel Yoder wirft ihre Leser:innen mitten hinein in den Kopf einer Frau, die Mutter geworden ist – und sich selbst dabei immer mehr verliert. Sie glaubt, sich in eine Hündin zu verwandeln. Und das ist nicht nur provokant, sondern auch tief symbolisch.

Was mich dabei besonders fasziniert hat: Das Buch bleibt absichtlich vage. Die Protagonistin berichtet nach und nach wie sie Veränderungen an sich feststellt, sowohl im Verhalten, in ihrer Wahrnehmung, aber auch konkret körperlich. Die tiefgreifenden Gefühle der Veränderung in ihrer Rolle und Selbstbestimmung, die Müdigkeit, das Ausbrechen aus Normen und gewisse Aggressionen sind gekoppelt an diese animalische Veränderung. Aber gibt es diese Veränderung wirklich physisch? Handelt es sich um eine Art Werwolf-Geschichte? Oder ist es vielmehr eine metaphorische, eingebildete Veränderung. Eine Störung der eigenen Wahrnehmung der Protagonistin? Es gibt Anzeichen und Hinweise, aber es bleibt ungewiss! Und gerade das macht die Geschichte für mich so spannend.

Rollen, die auffressen – im wörtlichen Sinne?

Rachel Yoder gibt ihren Figuren keine Namen. Die Mutter ist „die Mutter“, ihr Mann ist „der Ehemann“, das Kind bleibt „der Junge“. Das wirkt distanziert, ist aber ein kluger Kunstgriff. Es geht nicht um individuelle Biografien, sondern um das System dahinter: um Rollenbilder, Erwartungen, Überforderung.

Zudem wird die Geschichte aus der Perspektive der Mutter erzählt. Es gibt keinen allwissenden Erzähler, der die Situation beschreibt, von daher sind die Bezeichnungen auch Ausdruck von Positionen in ihrem Leben.

Die Protagonistin war früher Künstlerin, voller Ideen, kreativ, intellektuell. Jetzt ist sie hauptsächlich eins: Mutter. Und sie spürt, dass sie langsam verschwindet. Zwischen Spielgruppen und Gesprächen über Kotze und Schlafphasen stellt sich die Frage: Was ist eigentlich noch von mir übrig? Die Verwandlung zur Nightbitch – aggressiv, tierisch, selbstbestimmt – wird zum Ausbruch aus diesen engen Grenzen. Oder zur Flucht?

Körperlichkeit, Kunst und Kontrollverlust

Ein zentrales Thema ist der Körper. Der weibliche Körper, der sich durch Schwangerschaft und Geburt verändert hat – und der plötzlich in ein ganz neues Licht gerückt wird. Die Vorstellung von Weiblichkeit und der Mutterschaft wird durch Erzählungen über rätselhafte Völker fast spirituell hervorgehoben.

Die Mutter entdeckt ihren Körper auf eine ganz neue Art und Weise. Sie beobachtet Veränderungen. Sie spürt ihren Körper ganz neu, sie entwickelt sich in ein neues Wesen. Als ein animalischeres Wesen, was ihr ermöglicht ihre Vorstellungen vom Leben wieder zu erleben.

Es wirkt so, als ob das animalische in ihr ganz ohne ihre Kontrolle hervorkommt. Vielleicht ist es eine Art Selbstschutz, weil sie glaubt diese Veränderungen nicht aus dem Mensch hervorbringen zu können der sie gerade ist. Es braucht mehr, es braucht ein animalisches, starkes und unkontrolliertes Wesen, dass diese Aufgabe für sie erfüllt.

Dabei spielt auch Kunst eine große Rolle. Die Mutter beginnt, sich selbst als Kunstprojekt zu inszenieren, ihre Erfahrungen zu dokumentieren, zu deuten. Ob sie dabei den Bezug zur Realität verliert oder endlich wieder Zugang zu sich selbst findet, bleibt offen. Beides ist möglich – und beides ist nachvollziehbar.

Zwischen Rebellion und Anpassung

Nightbitch“ ist kein feministisches Manifest im klassischen Sinne, aber es ist ein tief feministischer Text. Es geht um Sichtbarkeit, Selbstbestimmung, Wut und Wildheit. Um die Frage, was passiert, wenn Frauen sich entscheiden, nicht mehr angepasst zu sein – sondern instinktiv, roh, unbequem.

Auch die Beziehung zum Ehemann ist von Distanz geprägt. Er ist oft dienstlich abwesend. Er „hilft mit“, aber das ist auch schon alles. Er nimmt keine aktive Rolle in ihrem Leben ein – so das Gefühl. Die emotionale Last, die Verantwortung, die Isolation – all das bleibt an ihr hängen. Die Nightbitch wird zur Rebellion gegen ein Leben, das sie sich so nie vorgestellt hat. Doch je mehr sie sich in die Nightbitch verwandelt, je mehr sie aus einem Leben in Passivität ausbricht und ihrer wilden und freien Seite Platz einräumt, so aktiver wird auch ihre Beziehung zu ihrem Mann. Sie blüht auf, sie nimmt ihr Leben wieder aktiv in die eigene Hand.

Fazit

Nightbitch“ ist ein Buch, das herausfordert. Es ist wütend, absurd, körperlich – und gleichzeitig voll leiser Beobachtungen und kluger Gedanken. Rachel Yoder schreibt ohne Rücksicht auf Leser:innen, die eine einfache Antwort wollen. Stattdessen bleibt vieles im Raum stehen – und genau das wirkt nach.

Für mich ist es ein Buch über Kontrollverlust, aber auch über die Kraft, sich neu zu definieren. Über das Spannungsfeld zwischen Mutterschaft und Selbstverwirklichung. Und vor allem geht es der Frage nach wie sehr man sich von Rollenbildern einengen lassen muss. Wie sehr will man angepasst sein? Es erfordert Mut auszubrechen, aber man gewinnt Freiheit und Selbstbestimmung.

Ein herrlich außergewöhnlicher Roman, der einen nicht loslässt. Und vielleicht sogar ein bisschen in den eigenen Kopf kriecht.

Buchdetails:

„Nightbitch“ von Rachel Yoder
Argon Hörbücher – 16.09.2023 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – 8:47Std. – ab 21,95€ (UVP)


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2025

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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Rezension: „Love and Hockey – Dax & Lucy“ von Saskia Louis

Love and Hockey 1 – Dax & Lucy ist unterhaltsam, charmant und emotional – und genau darum habe ich Lust gehabt, meine Eindrücke mit euch zu teilen.

Rezension: "Love and Hockey - Dax & Lucy" von Saskia Louis

Inhalt

Wenn ein Eishockey-Star am Rad dreht … braucht er eine kompetente Babysitterin, die ihm mit großer Freude den Spaß verdirbt
Die Enemies to Lovers Sports Romance von Bestseller-Autorin Saskia Louis jetzt auch als Hörbuch!

Lucy James hasst nichts mehr als arrogante Männer. Leider begegnet sie als PR-Managerin der L.A Hawks einer Menge davon. Ihr Anführer: Dax Temple. Der lästig attraktive Eishockeyspieler beschwört einen Skandal nach dem anderen herauf und macht ihr somit das Leben zur Hölle. Sie hat absolut keine Lust, seine Babysitterin zu spielen, nur weil das Management es für eine gute Idee hält. Denn plötzlich verbringt sie viel zu viel Zeit mit ihm auf engem Raum … und wenn sie nicht aufpasst, wird sie selbst sein nächster Skandal!

Dax Temple hasst nichts mehr als zu verlieren. Ach ja, und Lucy. Die unendlich neugierige Rothaarige bringt ihn viel zu oft auf dreckige, aber noch öfter auf tödlich endende Fantasien. Sie geht ihm direkt unter die Haut – wo sie absolut nichts verloren hat! Da kann er es gar nicht gebrauchen, dass auch noch sein ärgster Konkurrent Jack West zu den Hawks wechselt. Denn der Verräter kennt sein größtes Geheimnis und flirtet auffällig gern mit Lucy. Aber Dax will auf jeden Fall gewinnen. Ihm ist nur nicht klar, ob Lucy überhaupt weiß, dass sie ein Spiel spielen …

Quelle: Digital Publishers

Meine Meinung

Love and Hockey startet mit Lucy James, die neu im Marketingteam der LA Hawks beginnt. Ihr erster Arbeitstag ist direkt – sagen wir – intensiv: neue Umgebung, eine strenge, aber kompetente Chefin und als erste Aufgabe – und Prüfung – gleich der Auftrag, den berüchtigten Dax Temple für eine Pressekonferenz vorzubereiten. Dax ist nicht nur Star-Stürmer, sondern auch launisch, provokant und alles andere als pflegeleicht. Man könnte fast sagen Geld und Fame haben ihn verkorkst.

Lucy bemüht sich, professionell zu bleiben, obwohl Dax sie absolut respektlos behandelt. Er macht sich über ihr Aussehen lustig, nennt sie Praktikantin und versucht permanent, sie aus dem Konzept zu bringen. Doch Lucy bleibt dran – und lässt sich nicht einschüchtern. Das hat mir direkt imponiert.

Dax – Bad Boy, aber nicht eindimensional

Dax wirkt anfangs wie der typische Bad Boy mit großer Klappe und einem Hang zum Chaos. Doch mit der Zeit zeigt sich, dass mehr hinter der Fassade des Bad-Boy-Hockeystars steckt: eine schwierige Familiengeschichte, eine starke Bindung zu seiner Schwester und ein Zuhause, das nicht ins Klischee passt. Saskia Louis verleiht Dax Tiefe, ohne ihn übermäßig zu dramatisieren. Auch entlarvt sie seine Starallüren als das was sie sind: Mehr Schein als Sein.

Lucy – ehrgeizig, emotional, echt

Lucy bewegt sich in einem männerdominierten Umfeld und muss sich doppelt beweisen. Sie nimmt ihren Job ernst, zeigt Rückgrat und lässt sich von Sprüchen und Vorurteilen nicht aus der Ruhe bringen. Gleichzeitig hat sie ihre eigenen Sorgen, vor allem um ihren Vater, der nach dem Tod ihrer Mutter in eine Depression gefallen ist. Was ich besonders mochte: Lucy hat Biss, aber sie ist keine unnahbare Karrierefrau – eine gute Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit.

Zwischen Sticheleien und echten Gefühlen

Als Lucy und Dax sich treffen ist es nicht Liebe auf den ersten Blick. Aber dennoch ist da der Funken der überspringt. Beide sind es gewohnt, Distanz zu wahren: Lucy, weil sie sich im Job behaupten muss und ihr Privatleben streng von der Arbeit trennt; Dax, weil er hinter seiner provokanten Art vieles versteckt, was er niemandem zeigen will. Im Laufe der Geschichte geraten sie immer wieder aneinander, aber genau darin liegt auch eine gewisse Anziehung und Leidenschaft. Zusammen gehen sie ihren Gefühlen auf den Grund und lernen, dass es nicht immer Distanz sein muss. Eine wirklich süße und stürmische Liebesgeschichte.

Das Teamgefühl ist ein echtes Plus

Neben der Liebesgeschichte überzeugt auch das Umfeld der LA Hawks. Die Teamdynamik wirkt lebendig und wie eine eingeschworene, etwas überdrehte Truppe, die zwischen sportlichem Ehrgeiz und kindischem Humor pendelt. Gerade die Reaktionen der Spieler auf jede noch so kleine Annäherung zwischen Lucy und Dax bringen Leichtigkeit und Humor in die Geschichte.

Der Sport dient dabei mehr als Kulisse denn als zentrales Thema – bietet aber einen passenden Rahmen für große Egos, öffentliche Auftritte, Krisenmanagement und das eine oder andere Drama. Saskia Louis nutzt das Setting um Raum für Dynamik, Konflikte und Nähe zu schaffen, ohne sich in Fachsimpeleien zu verlieren.

Fazit

Love and Hockey 1 – Dax & Lucy“ ist kein tiefschürfender Roman mit gesellschaftlicher Botschaft – aber er ist süß, unterhaltsam und genau richtig, wenn man eine romantische Geschichte mit sympathischen Figuren sucht. Die Handlung folgt zwar einer bekannten Struktur, aber das ist in diesem Fall absolut in Ordnung, weil das Gesamtpaket stimmt. Ich mochte das Setting, den Ton, die Figuren – und ja, ich möchte definitiv weiterlesen.

Für alle, die Lust auf eine sportliche Romance mit starken Dialogen, Herz und einem echten Teamgefühl haben. Ich bin positiv überrascht und freue mich schon auf den nächsten Band.

Buchdetails:

„Love and Hockey – Dax & Lucy“ von Saskia Louis (Band 1)
dp audiobooks – 16.03.2023
Hörbuch ab 4,95€ , 9:22h
Verlag: dp audiobooks→


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2025

Das rezensierte Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar von Digital Publishers zur Verfügung gestellt.

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Rezension: „Die Farbe Lila“ von Alice Walker

Ein zutiefst bewegendes Werk über Gewalt, Emanzipation und weibliche Solidarität. Erfahrt in meiner Rezension, warum mich dieses Buch sehr sauer gemacht hat, aber auch mit einem optimistischen Gefühl hinterlassen hat.

Rezension: "Die Farbe Lila" von Alice Walker

Inhalt

Die junge Schwarze Celie wächst Anfang des 20. Jahrhunderts in Georgia auf. Während ihre Mutter im Sterben liegt, wird sie mit vierzehn zum ersten Mal von ihrem Vater vergewaltigt und in den Folgejahren zweimal schwanger. Er gibt die Kinder weg, sie weiß nicht, ob sie noch leben oder tot sind. Als sie in die Ehe mit einem Mann gezwungen wird, der sie schlägt, wendet sich Celie in verzweifelten Briefen an Gott, da sie keinen anderen Ausweg mehr weiß.
Erst als ihr Mann seine Geliebte Shug Avery ins Haus holt, verbessert sich Celies Situation. Sie verliebt sich in Shug und lernt von ihr, dass echte Liebe nichts mit Gewalt zu tun hat. Durch Shugs Liebe und die Freundschaft weiterer Frauen geht Celie endlich gegen alle Widerstände ihren Weg.

Quelle: Harper Audio

Meine Meinung

„Du musst den Mann aus deinen Augen verscheuchen, bevor du überhaupt was sehen kannst“ – dieser Satz steht exemplarisch für die Reise, die Celie, die Hauptfigur von Alice Walkers Briefroman „Die Farbe Lila„, antritt. Es ist eine Reise von Schmerz und Ohnmacht hin zu Selbstbestimmung und innerer Stärke. Walker erzählt in kraftvoller, schlichter Sprache von einer Frau, die viel zu früh erwachsen werden muss und sich gegen alle Widerstände ihren eigenen Platz in einer feindseligen Welt erkämpft.

Ein Roman der weh tut

Der Roman ist ein Schlag in die Magengrube. Schon die ersten Seiten sind schwer zu ertragen: Celie, gerade 14 Jahre alt, wird vom eigenen Vater missbraucht, ausgebeutet, verschachert. Der Ton, den dieser Anfang setzt, ist brutal ehrlich und zeigt ungeschönt, welchen Platz eine schwarze Frau in den Südstaaten der USA im frühen 20. Jahrhundert einnimmt – nämlich ganz unten. Von einem Leben bestimmt durch Gewalt, Rassismus, Sexismus und Armut. Und trotzdem bleibt da eine Naivität, eine Offenheit und eine Sanftheit in Celies Blick auf die Welt, die einen nicht loslässt.

Celies Wesen

Celies Sprache ist einfach, fast klaglos. Sie beschreibt ihre Schwangerschaft zum Beispiel nur als „Ich bin dick“. Ohne Schuldzuweisung, ohne Urteil – fast, als wäre es das Normalste der Welt, missbraucht und benutzt zu werden. Lange lebt Celie ein fremdgesteuertes Leben. Erst unter der Gewalt ihres Vaters, dann in einer Zwangsehe mit einem Mann, der sie wie eine Dienstmagd behandelt. Celie geht nicht auf das Unrecht das ihr widerfährt ein. Sie wiederholt die abwertenden Worte, die Männer ihr an den Kopf werfen: dünn, hässlich, wertlos. Ihre Klaglosigkeit, ihre Genügsamkeit, ihre Sanftheit – Begriffe, die in anderen Kontexten vielleicht positiv konnotiert wären – stehen hier als Sinnbild für ein Leben voller Misshandlung und Entmenschlichung.

Doch Celie bleibt nicht stehen. Sie macht eine Entwicklung durch – und diese beginnt mit ihrer Bewunderung für die temperamentvolle Sängerin Shug Avery. Aus dieser Bewunderung wird Liebe, aus Liebe Freundschaft. Shug ist laut, eigensinnig, unabhängig. Auch für sie ist das Leben nicht einfach, aber sie nimmt sich, was sie will, und gibt sich selbst, was sie verdient. Sie ist Celies Tür zu einer anderen Welt – zu einer, in der Frauen sich nicht mehr unterordnen, sondern ihre Stimme finden. Und mit ihr verändert sich auch Celies Ton: Er wird klarer, selbstbewusster. Sie lernt, dass sie nicht alles hinnehmen muss. Und dass sie für sich selbst einstehen darf.

Nettie am anderen Ende der Welt

Neben Celie steht ihre Schwester Nettie, die – ebenfalls vom Vater unterdrückt – flieht und schließlich als Missionarin nach Afrika reist. Auch hier erzählt Walker in einem Ton der völlige Normalität vorgibt zu sein. Die Missionarsarbeit ist ein zutiefst übergriffiges, koloniales Konstrukt: (oft weiße) Christen, die meinen, fremden Menschen ihre Werte aufzudrängen. Nettie kommt mit besten Absichten und Aussicht auf ein besseres Leben, doch erkennt sie im Laufe der Handlung, dass Männer und Kapitalismus auch am anderen Ende der Welt nicht halt machen. Netties Reise ist eine Flucht aus der Gewalt und eine andere Form des Erwachens. Sie erlebt das Leben in einer afrikanischen Dorfgemeinschaft – ebenfalls geprägt von männlicher Vorherrschaft, polygamen Strukturen und dem Ausschluss von Mädchen aus Bildung. Es drängt sich die bittere Erkenntnis auf: War und ist es auf der ganzen Welt so, dass Frauen unterdrückt wurden und werden?

Männerrollen

Walkers Männerfiguren spiegeln dieses patriarchale System deutlich wider. Die meisten von ihnen sind geprägt von Missbrauch und Gewalt, lernen von klein auf, dass Frauen ihnen untergeordnet sind. Sie reproduzieren aktiv die Machtstrukturen, in denen sie selbst aufgewachsen sind. Doch spannend ist: Je emanzipierter die Frauen werden, desto mehr bröckeln auch die Männerrollen – und man erkennt: Auch Männer sind Gefangene dieser Strukturen. Emanzipation ist kein Kampf gegen sie, sondern eine Chance für alle, sich von Rollenbildern, Erwartungen und Druck zu befreien.

Solidarität

Die Farbe Lila“ ist ein feministisches Werk durch und durch. Und es ist ein Buch, das nicht nur vom Leid erzählt, sondern vor allem von Solidarität. Von Frauen, die sich gegenseitig aufrichten. Celie, Shug, Nettie, aber auch Sofia – die starke, unbeugsame Frau, die einen hohen Preis dafür zahlt, dass sie sich wehrt – sie alle geben ganz unterschiedliche Einblicke in das Leben schwarzer Frauen in den USA der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und sie alle zeigen: Es gibt nicht die eine Art, Frau zu sein. Aber es gibt einen gemeinsamen Nenner – den Mut, die eigenen Grenzen zu verteidigen und füreinander einzustehen.

Ich habe das Hörbuch in der neuen, diskriminierungssensiblen – so der Verlag – Übersetzung gehört. Eine Referenz zur Originalübersetzung habe ich nicht, aber die Sprache hat mich sehr berührt – sie ist nahbar, klar, verletzlich und stark zugleich.

Fazit

Die Farbe Lila“ ist ein Meisterwerk der feministischen Literatur – geschrieben von einer schwarzen Autorin aus dem amerikanischen Süden, mit Figuren, die so vielschichtig und echt sind, dass sie einem lange nachgehen. Es ist ein Buch über Schmerz und Gewalt, ja. Aber auch über Freundschaft, Liebe, Emanzipation – und über Frauen, die sich wahrhaftig verbünden. Ich ringe mit Worten wie „mutig“, „badass“, „Macherin“, weil sie oft klischeehaft wirken – aber wenn sie jemals verdient sind, dann für die Frauen in diesem Buch.

Zum Schluss möchte ich erwähnen: Über Alice Walker gibt es Berichte, dass sie in späteren Jahren Aussagen getätigt hat, die in Richtung Verschwörungsmythen deuten. Für diese Rezension habe ich mich bewusst nur mit dem literarischen Werk „Die Farbe Lila“ auseinandergesetzt – und dieses empfinde ich als absolut wertvoll und lesenswert.

Für mich ist dieses Buch ein Auftakt, mich noch mehr mit anderen Perspektiven und diversen Blickwinkeln zu beschäftigen. Und ein Appell, nie aufzuhören, für eine gerechtere, gleichberechtigtere Welt einzustehen.

Einblick in die Hörbuchproduktion von Bayern2

Buchdetails:

„Die Farbe Lila“ von Alice Walker
Harper Audio – 24.06.2022 (im Original erschienen 1982 The Color Purple)
Hörbuch ab 9,99€


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2025

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

Eine Übersicht meiner Rezensionen findet ihr hier. 🕮