
Inhalt
Dr. Guy Carson erhält die Chance seines Lebens: Für sechs Monate soll er in der streng abgeschotteten Forschungseinrichtung Mount Dragon arbeiten, wo der Gentechnik-Konzern GeneDyne an einem bahnbrechenden medizinischen Projekt forscht. Mitten in der Wüste von New Mexico angekommen, merkt Carson jedoch schnell, dass hinter den Mauern des Hochsicherheitslabors etwas gewaltig schiefläuft.
Gemeinsam mit seiner Assistentin Susanna Cabeza de Vaca beginnt er, seltsame Vorfälle und das Verhalten seiner Kollegen zu hinterfragen. Dabei geraten die beiden immer tiefer in eine Geschichte über wissenschaftlichen Ehrgeiz, ethische Grenzen und die Gefahren eines Fortschritts, den längst nicht mehr jeder kontrollieren kann.
Meine Meinung
Mit „Mount Dragon“ liefert das Autorenduo Preston und Child einen Wissenschaftsthriller ab, der sich gleichzeitig faszinierend und erschreckend anfühlt. Wie so oft bei dem Autorenduo spielen Wissenschaft, Technik und komplexe Zusammenhänge eine zentrale Rolle. Diesmal dreht sich alles um Gentechnik, künstliches Blut, Virenforschung und die Frage, wie weit der Mensch gehen darf, wenn er versucht, die Natur zu kontrollieren oder sogar zu verbessern.
Dr. Guy Carson
Im Mittelpunkt steht Dr. Guy Carson, ein Wissenschaftler, der einen vermeintlich prestigeträchtigen Job in einer abgelegenen Forschungseinrichtung mitten in der Wüste New Mexicos annimmt. Anfangs ist er begeistert von den Möglichkeiten, dem Hightech-Labor und der Forschung, doch schnell wird klar, dass hinter den Kulissen etwas gewaltig schiefläuft. Genau diesen langsamen Übergang von wissenschaftlicher Faszination zu unterschwelliger Bedrohung fand ich besonders gelungen. Preston und Child schaffen es sehr gut, dieses Gefühl der Isolation und des Kontrollverlusts aufzubauen: ein Hochsicherheitslabor mitten im Nirgendwo, Menschen, die sich zunehmend seltsam verhalten, und ein Virus, dessen Folgen niemand mehr wirklich einschätzen kann.
Macht und Gentechnik
Besonders spannend fand ich dabei, dass das Buch nicht einfach Gentechnik glorifiziert, oder als schlichtweg böse zeichnet. Stattdessen geht es viel um die ethischen Fragen dahinter. Was passiert, wenn wirtschaftliche Interessen schneller voranschreiten als wissenschaftliche Vorsicht? Wie weit darf Forschung gehen, wenn sie theoretisch Millionen Menschen helfen könnte? Und heiligt der Zweck irgendwann die Mittel? Gerade der Konflikt zwischen GeneDyne-CEO Brent Scopes und Charles Levine bringt diese Fragen gut auf den Punkt. Die beiden stehen sinnbildlich für zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen auf Fortschritt: grenzenloser wissenschaftlicher Optimismus (und damit einhergehender Ruhm und Reichtum) gegen vorsichtige Skepsis gegenüber Eingriffen in die biologische Grundlage des Menschen.
Dabei spielt auch die Macht großer Konzerne eine wichtige Rolle. GeneDyne wirkt wie eine Firma, die sich selbst längst über moralische Grenzen hinweg definiert. Geld, Einfluss und wissenschaftlicher Ehrgeiz verschwimmen immer stärker miteinander. Gleichzeitig geht es aber auch um einzelne Menschen mit Rückgrat, die bereit sind, Karriere, Sicherheit oder sogar ihr Leben zu riskieren, um das Richtige zu tun.
Was ich an Preston und Child generell mag, findet sich auch hier wieder: diese Liebe zu wissenschaftlichen Details. Natürlich kann ich nicht beurteilen, wie realistisch die dargestellte Forschung tatsächlich ist, bzw. in welchen Teilen es mit realistischer wissenschaftlicher Forschung im Einklang steht, aber sie wirkt greifbar genug, um die Geschichte glaubwürdig zu machen. Das Buch erinnerte mich stellenweise auch stark an „The Andromeda Strain“ aus 1969 — dieses Zusammenspiel aus Wissenschaft, Katastrophenszenario und der Angst vor etwas, das der Mensch nicht mehr kontrollieren kann.
Trotzdem hat „Mount Dragon“ für mich auch einige Schwächen. Das Buch wirkt über weite Strecken etwas zerfasert, weil sehr viele Themen gleichzeitig angeschnitten werden. Neben der eigentlichen Geschichte um X-FLU und PurBlood geht es zusätzlich noch um indigene Abstammung, Machtkämpfe innerhalb des Konzerns, Liebesansätze zwischen Carson und DeVaca, Konflikte im Labor, persönliche Ideale und philosophische Fragen rund um Evolution und Fortschritt. Vieles davon ist interessant, wirkt aber alles in allem etwas erschlagend. Ich kann mich nicht hundertprozentig festlegen, ob es alles zu viel ist oder ein rundes Bild abgibt.
Die Flucht
Am meisten überrascht hat mich der zweite Teil des Buches. Ich hatte erwartet, dass der Fokus dauerhaft auf dem Labor, der Wissenschaft und dem psychologischen Zerfall innerhalb der Anlage liegt. Stattdessen entwickelt sich die Geschichte irgendwann zu einer langen Verfolgungsjagd durch die Wüste. Dort stehen plötzlich Überlebenskampf, Orientierung, Fährtenlesen und Flucht im Vordergrund. Das war zwar atmosphärisch durchaus spannend, zog sich für mich aber etwas zu sehr in die Länge. Der wissenschaftliche Thriller-Aspekt rückt dadurch zeitweise fast in den Hintergrund.
Technik in den 90ern
Auch merkt man dem Buch sein Alter an. Die Vorstellung von Technik, Überwachung und digitaler Kommunikation ist sehr stark von den 90ern geprägt. Das Cyberspace von Scopes klingt sehr diffus und wenig greifbar. Es ist mehr eine Zukunftsvision von Technik, als konkrete technische Idee. Gleichzeitig ist es fast erschreckend, wie aktuell viele der grundlegenden Themen geblieben sind. Diskussionen über genetische Manipulation, wirtschaftlichen Druck in der Pharmaforschung oder die Frage, wie weit Wissenschaft gehen darf, wirken heute teilweise sogar relevanter als damals.
Fazit
Insgesamt fand ich „Mount Dragon“ sehr unterhaltsam, wenn auch nicht ganz so fokussiert wie andere Bücher von Preston und Child. Der Roman hat starke Ideen, spannende wissenschaftliche Ansätze und eine bedrückende Atmosphäre, verliert sich aber manchmal etwas in seinen vielen Themen und den mehreren Handlungssträngen. Trotzdem mochte ich die Mischung aus Wissenschaftsthriller, Katastrophenszenario und Überlebenskampf — auch wenn nicht jeder Teil davon für mich gleich gut funktioniert hat.
Buchdetails:
„Mount Dragon – Labor des Todes“ von Lincoln Child und Douglas Preston
Audible – 20.12.2007 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗) (Original erschienen 1997)
Hörbuch – 19:09 Std. – ab 6,99€
Hinweise
Rezension: ©alienicious 2026
Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.
Eine Übersicht meiner Rezensionen findet ihr hier. 🕮