Rezension: "Die letzte Arche" von Joshua Tree - alienicious.de

Inhalt

Die klinische Psychologin Marlene Richter erhält eine Einladung von einem mysteriösen Milliardär: Sie und tausend weitere Experten verschiedenster Fachrichtungen werden an Bord eines Luxusliners gebeten. Dort angekommen, überschlagen sich die Ereignisse: Der Himmel verdunkelt sich, selbst die Sterne erlöschen – und der Gastgeber der Reise scheint es vorhergesehen zu haben. Während die Erde langsam zufriert, der Wind abebbt und die Wellen verschwinden, werden geheimnisvolle Koordinaten zur letzten Hoffnung der Passagiere. Doch das laut Seekarten leere Gebiet ist nicht das einzige Geheimnis an Bord: Wieso sind die untersten sieben Decks versperrt? Wieso hat jeder Passagier einen persönlichen Brief des Milliardärs erhalten, will aber nicht darüber sprechen? Und was werden sie bei den Koordinaten finden?
Quelle: Argon Verlag

Meine Meinung

Eine Einladung zu einer exklusiven Kreuzfahrt. Tausend Passagiere. Ein milliardenschwerer Gastgeber. Und schon früh das Gefühl, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Genau dieses Gefühl macht für mich einen großen Teil der Faszination von Die letzte Arche aus. Das Buch beginnt wie ein Rätsel. Warum wurden diese Menschen ausgewählt? Was verfolgt Marcus Chen wirklich? Und warum scheint niemand genau zu wissen, worauf er sich hier eigentlich eingelassen hat?

Besonders mulmig wurde es für mich in dem Moment, als klar wird, dass sich auf dem Schiff nicht einfach wohlhabende Kreuzfahrtgäste befinden, sondern Wissenschaftler:innen, Psycholog:innen, Ingenieur:innen und Expert:innen unterschiedlichster Fachrichtungen. Plötzlich wirkt die Reise nicht mehr wie ein luxuriöser Ausflug, sondern wie ein sorgfältig zusammengestelltes Projekt. Gleichzeitig stellte ich mir immer wieder die Frage, wie realistisch es eigentlich ist, dass so viele hochkarätige Spezialist:innen einer Einladung eines Milliardärs folgen würden.

Die Arche

Das Schiff wirkt wie ein eigenes kleines dystopisches Biotop. Es gibt die oberen Decks und die unteren Decks, zwei Welten, die kaum Berührungspunkte haben und teilweise sogar gegeneinander arbeiten. Jeder scheint Informationen zurückzuhalten, verschiedene Gruppen verfolgen ihre eigenen Interessen und als Leser versucht man ständig herauszufinden, wer eigentlich was weiß.

Dunkelheit

Einer der stärksten Aspekte des Romans ist für mich die Dunkelheit. Nicht als Kulisse, sondern als Bedrohung. Als Sonne, Sterne und Orientierungspunkte verschwinden, wird einem plötzlich bewusst, wie verloren Menschen auf dem offenen Ozean eigentlich sind. Erst in dieser Situation wird greifbar, wie viel Oberfläche der Erde von Wasser bedeckt ist und wie abhängig wir von Licht, Navigation und vertrauten Bezugspunkten sind. Die Dunkelheit wirkt dabei nicht nur äußerlich. Sie kriecht in die Gemüter der Passagiere erst als mulmiges Gefühl, später buchstäblich in Form von Kälte. Viele kennen das Gefühl, im Winter müde oder antriebslos zu werden. Das Buch nimmt diesen Gedanken und steigert ihn ins Extreme: keine Sterne, kein Horizont, keine Aussicht auf Besserung, keine Hoffnung.

Gleichzeitig hat mich der Roman stellenweise auch frustriert. Es werden sehr viele Fragen aufgeworfen, aber nur wenige beantwortet. Was genau ist passiert? Warum verhalten sich die Naturgesetze plötzlich anders? Was steckt hinter Chens Plan? Und warum erreicht – bei all der akribischen Vorbereitung der Arche – ausgerechnet seine entscheidende Nachricht nicht die Menschen? War das Absicht? Manche dieser offenen Punkte haben meine Neugier geweckt, andere fühlten sich eher wie bewusst zurückgehaltene Informationen an.

Science Fiction

Interessant fand ich auch meinen Gedanken zur Einordnung als Science-Fiction-Roman. Gefühlt liest sich das Buch wie Science Fiction, tatsächlich gibt es im ersten Band aber erstaunlich wenige klassische Science-Fiction-Elemente. Die Arche selbst ist zwar gewaltig und erinnert an ein Generationenschiff oder einen futuristischen Bunker zum Erhalt der Menschheit, technologisch bewegt sich vieles jedoch noch in einem Bereich, der nicht weit von unserer Gegenwart entfernt ist.

Die eigentlichen Science-Fiction-Fragen entstehen eher im Hintergrund. Was ist mit Sonne und Sternen passiert? Warum scheinen physikalische Gesetzmäßigkeiten nicht mehr zu funktionieren? Gibt es eine künstliche Ursache? Oder steckt etwas völlig anderes dahinter? Das Buch liefert darauf noch keine Antworten, legt aber die Grundlagen für größere Ideen.

Fazit

Am Ende fühlt sich Die letzte Arche deshalb weniger wie ein abgeschlossener Roman an, sondern wie der sehr groß angelegte Auftakt einer Trilogie. Die Reise der Figuren beginnt gerade erst und die eigentlichen Geheimnisse liegen noch vor ihnen.

Das ist gleichzeitig meine größte Kritik und der Grund, warum ich weiterlesen möchte. Die vielen offenen Fragen, die verschiedenen Lager auf der Arche und die zahlreichen Figuren mit ihren eigenen Plänen und Absichten können durchaus verwirrend sein. Trotzdem hat mich das Buch neugierig gemacht. Ich möchte wissen, was hinter der Dunkelheit steckt. Ich möchte wissen, was Marcus Chen wirklich geplant hat. Und ich möchte herausfinden, ob die Reihe für all die Fragen, die sie hier aufwirft, auch überzeugende Antworten liefern kann.

Buchdetails:

„Die letzte Arche“ von Joshua Tree (Band 1)
Argon Verlag – 10.11.2025 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – 9:49 Std.


Hinweise

Rezension: ©alienicious 2026

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

Eine Übersicht meiner Rezensionen findet ihr hier. 🕮

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