
Inhalt
Tief in den Rocky Mountains liegt das gigantische Ferienresort Erebus. Dank modernster Gentechnik können die betuchten Gäste wie vor Jahrtausenden wollige Mammuts, gewaltige Riesenhirsche und meterhohe Riesenfaultiere in ihrem natürlichen Habitat erleben.
Als ein Millionärssohn und seine Frau entführt und im Hinterland tot aufgefunden werden, gerät eine Gruppe von gewaltbereiten Öko-Terroristen in Verdacht. FBI-Agentin Frances Cash und Sheriff James Colcord sollen den Fall schleunigst aufklären. Doch dann häufen sich die Morde, und der 400 Quadratkilometer umfassende Ferienort muss evakuiert werden.
Inmitten der prähistorischen Flora und Fauna werden Cash und Colcord mit etwas Bösem konfrontiert, dem es nicht ums Neubeleben, sondern ums Auslöschen geht …
Quelle: Argon Hörbuch Verlag
Meine Meinung
Mit Extinction greift Douglas Preston – diesmal solo unterwegs – mal wieder ein Thema auf, das perfekt zu ihm passt: Wissenschaft, Kontrollverlust und ein Szenario, das komplett eskaliert, sobald Menschen glauben, sie hätten die Natur im Griff. Der Autor ist vor allem durch seine Thriller – in Zusammenarbeit mit Lincoln Child – rund um FBI-Agent Aloysius Pendergast bekannt, aber auch Bücher wie Mount Dragon, Relic oder Old Bones zeigen genau diese Mischung aus Hightech, Forschung, Isolation und latentem Wahnsinn, die auch Extinction prägt.
Figuren aus anderen Romanen tauchen hier meines Wissens nach nicht direkt auf. Extinction funktioniert eher als eigenständiger Techno-Thriller und steht damit näher bei Büchern wie Mount Dragon als bei der Pendergast-Reihe. Man merkt aber trotzdem sofort, von wem das Buch ist. Diese typische Preston/Child-DNA steckt überall drin: abgelegene Orte, wissenschaftliche Grenzbereiche, Menschen mit zu viel Geld und zu wenig moralischer Bremse und natürlich eine Situation, die völlig außer Kontrolle gerät.
Die Jurassic Park Idee
Die Grundidee erinnert natürlich sofort an Jurassic Park. Das liegt auch komplett auf der Hand. Ein abgeschottetes Luxusresort, ausgestorbene Tiere, Gentechnik, zahlungskräftige Besucher und die große Frage, ob Menschen Dinge wiederbeleben sollten, nur weil sie es können. Der Vergleich ist aber gerade deshalb interessant, weil zwischen beiden Büchern über 30 Jahre liegen. Michael Crichtons Jurassic Park erschien 1990, also in einer Zeit, in der Gentechnik für viele noch fast futuristisch wirkte. Klonen und DNA-Manipulation hatten etwas Spekulatives, beinahe Science-Fiction-artiges.
Extinction erscheint dagegen in einer Zeit, in der Themen wie CRISPR, Genmanipulation und „De-Extinction“ längst reale Debatten sind. Die Diskussion wirkt dadurch deutlich näher an unserer Gegenwart. Während Jurassic Park noch stark von der Faszination über die technische Möglichkeit lebt, schwingt bei Extinction viel stärker diese moderne Tech-Bro-Mentalität mit: reiche Investoren, Erlebnisindustrie, Luxus für Superreiche und die völlige Selbstverständlichkeit, dass Wissenschaft kommerzialisiert wird. Das Buch fühlt sich dadurch weniger wie ferne Zukunft an und eher wie eine leicht überdrehte Version unserer Gegenwart.
Erwartungen
Und ja, die Geschichte ist schon ziemlich wild. Aber genau das erwarte ich mittlerweile auch von Prestons Büchern. Die Bücher waren selten subtil. Sie werfen oft mehrere Konflikte gleichzeitig in einen Topf: Wissenschaftsethik, Kapitalismus, Naturgewalt, Sicherheitswahn, menschliche Hybris und dann natürlich noch die Thriller-Ebene mit Ermittlungen, Toten und Eskalation. Das muss man mögen. Ich mag genau dieses Überzeichnete eigentlich ganz gern, solange es spannend bleibt — und das schafft Extinction ziemlich gut.
Die Protagonistin
Frances Cash mochte ich als Hauptfigur wirklich gern. Sie wirkt kompetent, direkt und angenehm bodenständig. Gerade weil um sie herum vieles immer absurder wird, funktioniert sie gut als Gegenpol. Immer wieder überraschen mich die weiblichen Protagonistinnen in Prestons (und Childs) Büchern positiv. Frances Cash hat genug Eigenständigkeit, dass sie nicht nur „die Ermittlerin“ bleibt. Die Dynamik mit Sheriff James Colcord funktioniert ebenfalls gut, ohne ständig in irgendwelche unnötigen Klischees abzurutschen.
Reread
Ich habe das Buch jetzt als Reread gelesen und musste dabei feststellen, dass erstaunlich wenig hängen geblieben war. Aber ehrlicherweise liegt das bei mir mittlerweile auch einfach an der Menge an Büchern, die ich lese. Beim erneuten Lesen kam vieles wieder zurück und ich hatte trotzdem Spaß daran. Das spricht für mich eigentlich eher dafür, dass das Buch zwar kein absoluter Meilenstein ist, aber genau das liefert, was ich von Prestons Büchern haben will: hohes Tempo, wissenschaftlicher Wahnsinn, eskalierende Situationen und ein Setting, das komplett außer Kontrolle gerät.
Fazit
Am Ende ist Extinction für mich kein Buch, das das Genre neu erfindet. Es versucht das aber auch gar nicht. Es steht ziemlich klar in der Tradition von Techno-Thrillern wie Jurassic Park, nur mit moderneren Debatten und einem deutlich aktuelleren Blick auf Wissenschaft, Kapital und Entertainment. Wer Preston und Child mag, bekommt hier eigentlich genau das, was man erwartet — und in meinem Fall ist das absolut positiv gemeint.
Buchdetails:
„Extinction. Wenn das Böse erwacht“ von Douglas Preston
Argon Hörbuch – 02.04.2024 (Hier geht’s zur Verlagsseite🔗)
Hörbuch – 11:11 Std.
Hinweise
Rezension: ©alienicious 2026
Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.