Inhalt

Zum ersten Mal nach zwanzig Jahren kehrt Joel zurück in sein Heimatstädtchen an der schwedischen Westküste, um seine demenzkranke Mutter zu pflegen. Seit ihrem Infarkt ist Monika nicht mehr dieselbe, und schweren Herzens bringt Joel sie im Seniorenheim unter, wo sie sich zunächst zu erholen scheint.
Doch schon bald verschlechtert sich Monikas Zustand: Sie magert ab. Wird ausfallend. Und spricht dunkle Geheimnisse aus, von denen sie eigentlich gar nichts wissen kann. Manche der Alten halten sie deshalb für einen Engel, andere für einen Dämon, und auch auf Joel wirkt seine Mutter, als wäre sie nicht sie selbst.
Eine von Monikas Pflegerinnen ist Joels Jugendfreundin Nina. Seit zwanzig Jahren haben die beiden nicht miteinander gesprochen, und so schmerzhaft sich ihre Wege damals getrennt haben, so schmerzhaft ist jetzt ihr Wiedersehen.
Und als sich die beklemmenden Vorkommnisse im Heim häufen, findet Joel ausgerechnet in Nina eine Verbündete, um dem Grauen entgegenzutreten.

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Fischer Tor Verlag)

Meine Meinung

„Er lauscht angespannt.“

Seite 7 – Erster Satz im Buch

Das hübsche Cover mit dem Makel

Ich sah das Cover und hab dem Buch eine Chance gegeben. Wäre das Buch ein Mensch wäre ich jetzt ziemlich oberflächlich! Das Cover finde ich jedenfalls sehr überzeugend: düster, kühl und der Blick der Dame ist äußerst verstörend! Das einzige wirklich dumme Manko an dem Cover des Buches ist, dass die Iris in Hochglanz gedruckt ist, im Gegensatz zum restlichen Cover, welches matt gedruckt ist. Ich finde es nicht gelungen, denn das Licht und die Perspektive müssen schon arg stimmen damit es einen guten Effekt erzielt und die Augen betont. Die restliche Zeit sind da diese kleckse in den Augen und es zerstört den fiesen Blick der Frau. Gute Idee, aber praktisch nicht so gelungen.

Jugendfreunde

Schon auf dem Cover des Buches verkündet ein knallgelber Sticker, dass Mats Strandberg „Der schwedische Stephen King“ sei, solche Sticker sind so nichtssagend… deshalb bin ich ziemlich frei von Erwartungen an das Buch herangegangen.“Das Heim“ wird aus der Perspektive von Joel und Nina erzählt. Joel ist nach seiner Schulzeit aus seiner Heimat geflohen: auf der Suche nach Erfolg mit seiner Musik, fort aus seinem ruhigen Heimatstädtchen und fort von seiner Mutter. Doch der Erfolg blieb aus und seine Geschichte nahm eine Wendung Bergab. Drogen, flüchtige Bekanntschaften und wechselnde Jobs prägen sein Leben. Ganz im Gegensatz zu seinem perfekten Bruder mit seiner perfekten Familie. Doch als seine Mutter nach einem Herzinfarkt die Diagnose Demenz bekommt, kehrt er zurück und pflegt sie bis es so schlimm wird, dass er sie in ein Heim, dem „Nebelfenn“, unterbringt.

Joel ist so schmerzerfüllt und traurig. Er ist als Charakter sehr authentisch und erfüllt von inneren Konflikten: vom Alleinsein, von der Ziellosigkeit seines Lebens, von alten Päckchen die er mit sich rum trägt und mit denen er nie Frieden geschlossen hat. Eins dieser „Päckchen“ ist Nina. Seine beste Freundin aus seiner Jugend. 20 Jahre lang hatte er keinen Kontakt zu ihr, nachdem sie im Streit auseinander sind. Als sie sich wiedersehen reißt die Begegnung alte Wunden auf, und Joel ist wegen seiner Mutter eh schon in einer schlechten Verfassung. Auch für Nina ist es ein Schock. Sie wirkt als hätte sie es sich in ihrem Leben gemütlich gemacht. Ein Mann, ein Sohn und ein guter Job. Der Perfekte Schein. Sie wirkt als habe sie ihre Vergangenheit nicht verarbeitet, sondern sorgsam in einem Winkel ihrer Seele weggesperrt. Nach und nach zeigen sich auch bei ihr Ängste und eine gewisse innere Zerrissenheit.

Die beiden Charaktere von denen die Geschichte lebt sind authentisch, vielschichtig und der Autor schafft es perfekt die Verletzlichkeit hinter der Fassade in Worte zu fassen. Neben der Spannung war die Entwicklung von Nina und Joel,  und ihrer Verbindung zu einander, es für mich lesenswert gemacht. Vom aufeinander treffen wie zwei brodelnde Vulkane, über einen Ausbruch der lange überfällig war bis hin zu einem zarten Frieden.

Manche halten sie für einen Engel, andere für einen Dämon

Joels Mutter ist dement, sie erkennt nur in wenigen klaren Momenten ihren Sohn wieder. Für Joel ist es ein Grauen und eine psychische Anstrengung von großem Ausmaß. Doch das Grauen ist vielschichtig. Die Verfassung von Joels Mutter Monica wird im Laufe der Geschichte immer schlechter und neben der Krankheit macht sich in Joel der Gedanke breit, dass nicht nur die Krankheit seine Mutter in diesen Dämon verwandelt. Aber ist das eine natürliche Reaktion von Angehörigen auf die Krankheit, oder geht im Nebelfenn mehr vor sich, als er hätte ahnen können?

„Sie kann es nicht wissen. Niemand weiß es. „

Seite 114

Der Spannungsbogen ist so gut gemacht. Von Kapitel zu Kapitel schleicht sich die Spannung ein, wird bleischwer, man muss weiter und weiter Lesen, die Nerven liegen blank! Ich finde der Autor schafft es wahnsinnig gut mich, als seinen Leser, zu fesseln, neugierig zu machen und letztlich auch zu gruseln. Dadurch, dass die Geschichte in einem Seniorenheim mit einigen dementen älteren Bewohnern stattfindet, spielt der Autor mit dem irrationalen Verhalten der Kranken und vermischt dies mit einer Ahnung von Übernatürlichem, aber ist dies nur die Manifestation einer ansteckenden Panik, oder geht wirklich etwas Übernatürliches vor sich? Ich finde es klasse wie die Geschichte einen in Atem hält!

Das einzige was für mich an dem Buch etwas runder hätte sein können ist das Ende: der Epilog. Ich verrate nichts, aber manchmal ist es wirkungsvoller Fragen offen zu lassen… (so vage!)

Strandberg vs. King

Ich habe bewusst noch nicht das Internet durchforstet nach Meinungen über Strandberg oder den Vergleich des Verlags zu Stephen King, weil ich das Buch nicht durch Erwartungen für mich ruinieren wollte. Aber das war gar nicht nötig, denn „Das Heim“ hat mich wirklich überzeugt. Letztlich weiß ich nicht inwiefern diese Aussage gemünzt ist, aber im Endeffekt soll es wohl für den Erfolg des Autors stehen. Ich finde jedoch ist so ein Vergleich völlig aus der Luft gegriffen. Unter anderem habe ich „Die Arena“, „Brennen muss Salem“ und „Todesmarsch“ gelesen und kann hier keine konkrete Parallelen sehen. Wenn es jedoch darauf gemünzt ist, dass Strandberg so unglaublich schreibwütig ist wie King, dann immer her damit!

Fazit

„Das Heim“ hat mich gefesselt und gegruselt. Abends, als es dunkel war, musste ich es einmal weglegen, weil es so unheimlich war. (Möglicherweise bin ich auch empfindlich!) Mir hat an diesem Roman ganz besonders gefallen, dass der Autor mit wenig explizitem Horror sehr wirkungsvoll eine unheimliche Atmosphäre aufgebaut hat. Klare Leseempfehlung!

 

 

Details:

„Das Heim“ – Mats Strandberg

Fischer Tor Verlag – 24.10.2018

Paperback € 14,99

ISBN 978-3-596-70367-8

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©alienicious 2019


Hinweise:

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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