Im Jahr 2044 ist die Welt ein hässlicher Ort: Die Erdölvorräte sind aufgebraucht, ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Einziger Lichtblick ist die OASIS, eine virtuelle Ersatzwelt, in der man leben, arbeiten, zur Schule gehen und spielen kann. Die OASIS ist ein ganzes Universum, es gibt Tausende von Welten, von denen jede ebenso einzigartig wie phantasievoll ist. Und ie hat ein Geheimnis.

Der exzentrische Schöpfer der OASIS hat tief im virtuellen Code einen Schatz vergraben, und wer ihn findet, wird seinen gesamten Besitz erben – zweihundertvierzig Milliarden Dollar. Eine Reihe von Rätseln weist den Weg, doch der Haken ist: Niemand weiß, wo die Fährte beginnt. Bis Wade Watts, ein ganz normaler Junge, der am Stadtrand von Oklahoma City in einem Wohnwagen lebt, den ersten wirklich brauchbaren Hinweis findet. Die Jagd ist eröffnet …

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Fischer/Tor Verlag)

Meine Meinung

Dieses Buch ist ein Knaller! Soviel vorweg.

Kaum hat man die ersten Seiten verschlungen, ist man völlig in einer Welt der amerikanischen Popkultur, wird berauscht von nostalgischen Erinnerungen an vergangene Videospiele, an Songs und Filme und im gleichen Atemzug wird eine Vision der Technik ausgemalt, die VR in ein neues Licht rückt und auf eine ganz neue Ebene erhebt.

„Everyone my age remembers where they were and what they were doing when they first heard about the contest.“

(Erster Satz, Level 0000, aus „Ready Player One“)

 

Ernest Cline hat in „Ready Player One“ eine Erde erschaffen, auf der die Menschen hungern und sich Aussichtslosigkeit breit macht. Die heutigen Bedrohungen: Überbevölkerung, das Ende der Erdöl-Reserven, Hungersnöte und Arbeitslosigkeit, haben sich zu einer unumstößlichen Tatsache entwickelt. Wenige super Reiche leben im Überfluss, doch der Rest der Menschheit drängt sich in Stacks, gestapelten Trailern, zusammen und entfliehen in eine neue Realität: Die Oasis. Sie ist ein Lichtblick in der Trostlosigkeit des „Real-Life“. In dieser Computer-Simulierten Welt  kann jeder sein wer er will und jeder ein Leben führen wie er es sich gestaltet hat. Man kann Beziehungen führen, Kommunizieren, Freunde finden, alles was in der echten Welt mühsam ist oder für viele unmöglich.

Einer der Oasis Usern ist unser Protagonist: Wade Watts. Er ist grade 18 Jahre alt, etwas dicklich, unsicher und wenig selbstbewusst. Er wohnt bei seiner Tante im Trailerpark, den sogenannten Stacks in Verhältnissen die denen von Slums ähneln, seit seine Eltern verstorben sind. Freunde hat er im echten Leben nicht und seine Tante ist ihm auch nicht grade wohlgesonnen. Doch in der Oasis hat Wade das erste mal einen echten Freund gefunden.

My aunt’s trailer was the top unit in a „stack“ twenty-two mobile homes high, making it a level or two taller than the majoriity of the stacks immediately surrounding it.

(Seite 20, Level 0001, aus „Ready Player One“)

Wades Leben wird bestimmt von der täglichen Anstrengungen für sein Essen zu arbeiten, in der Oasis die virtuelle Schule zu besuchen und mit seinem Kumpel in einem virtuellen Chat rum zu hängen und natürlich zu zocken! Dieser tägliche Kreis wird durchbrochen als der geniale Kopf von GSS (Gregarious Simulation Systems) und Erfinder der Oasis: James Halliday verstribt. Sein Vermächtnis an die Welt ist ein Easter Egg, ein verstecktes Geheimnis, in der Oasis. Wer dieses Easter Egg finden kann soll sein millardenschweres Erbe antreten und die Zukunft der Oasis in Händen halten. Nachdem seine Videobotschaft in die Welt hinaus geschickt wurde entbrennt sogleich eine wilde Jagt auf das Easter Egg. Jäger entwickeln sich, Jägerclans sprießen aus dem Boden und jeder Oasis User (und das ist fast jeder auf diesem Planeten) ist auf der Suche. Doch ein Problem gibt es bei der Sache: Die Oasis ist nicht nur ein Videospiel, sie ist eine komplexe Simulation mit unendlich vielen Planeten in unzähligen Universen und es gibt keinen konkreten Hinweis unter welchem Stock oder Stein Halliday das Easer Egg versteckt haben könnte.

Die Zukunft von Virtual Reality

This message hab been embedded […] as an homage to the simulation’s direct ancestors, the coin-operated videogames […]. These three words were always the last thing an OASIS user saw before leaving the real world and entering the virtual one:

READY PLAYER ONE

(Seite 26, Level 0001, aus „Ready Player One“)

Cline erschafft eine zugleich wahnsinnig spannende Zukunft für VR, als auch eine sehr düstere. VR ist so spannend, es gibt heute schon echt coole Videospiele die VR unterstützen, doch in Clines Buch ist die Virtual Reality eine Realität die genauso präsent ist wie unsere echte Realität. Eine Welt in einer Welt. Jeder kann sich einloggen und einen Charakter nach seinen Wünschen gestalten, man kann die Haarfarbe ändern, die Hautfarbe, das Geschlecht, die Größe, man kann sein wer man schon immer sein wollte und nur das in diese Realität tragen was man von sich preisgeben will. Software verbirgt deine Emotionen, sie verzerrt deine Stimme. Menschen die unsicher sind können einen neuen Versuch starten und aus sich raus gehen. Jene die sich wegen einer Abweichung von der Norm oder einer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ausgegrenzt fühlen können in eine neue Rolle schlüpfen. Letztlich weißt du niemals ob der Avatar der dir grade gegenübersteht und zum Beispiel aussieht wie die berühmte Jägerin und Bloggerin Art3mis nicht doch ein großer dicker Kerl in Boxershorts ist, der ungewaschen im Keller seiner Mutter rumlümmelt. So hat eine virtuelle Realtität mit all ihren Möglichkeiten so viel zu bieten, abgesehen von dem was man im echten Leben nicht erreichen kann, kann sie ja noch viel abgedrehteres bieten: Man kann als ganz anderes Wesen existieren, andere Planeten bereisen usw. doch sie hat auch ihre Schattenseite: Man ist immer in einer Welt die nur Schein ist und keiner kümmert sich mehr um die echte Welt. Und so schlägt „Ready Player One“ den Bogen vom bunten Popkornkino und der 80s-Videospiel-Party zum kritischen Umgang mit VR und technischer Revolution.

Freundschaft und Feindschaft.

Wade Watts ist vom ersten Tage des Wettbewerbs mit Feuereifer dabei und jagt als „Parzival“ dem Erbe von Halliday nach. Ich finde es so großartig wie viele Details, wie viele Anspielungen und Hinweise in dieser Geschichte eingeflossen sind! Der DeLorean aus „Back to the Future“, das Atari Game „Adventure“, Space Invaders, Pacman, Nintendo um nur ein paar Details aus einer riesigen Anzahl zu nennen. Mit dem Wettbewerb hat Wade nicht nur die entfernte Chance auf ein besseres Leben vor Augen, sondern auch eine Mission, die seine ziellosen Tage füllt. Selbst in der Oasis in der alles Möglich ist, ist ohne entsprechende Credit Summen auch wenig zu machen. Gefangen auf dem Planeten, der alle Schulen in der Oasis beherbergt hat Wade bis dahin nur wenig von der Oasis kennen gelernt. Das Buch ist von vorne bis hinten spannend, es erzählt von vielen Facetten von Freundschaft und Feindschaft, von jugendlicher Unsicherheit in einer düsteren dystopischen Welt. Ich finde die Charaktere im Buch sind wunderbar gestaltet, ausgearbeitet und liebevoll mit Leben gefüllt.

Fazit

„Ready Player One“ ist eine Zeitreise zurück in die 80er und gleichzeitig hinein in eine Vision von hochentwickelter Technik. Es erschafft für den Leser zwei ganze Welten, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Die bunte vielfältige, abenteuerliche Virtual Reality der OASIS in der jeder User sich verwirklichen und mit neuen Karten anfangen kann. Und die echte Realität am Rande des Chaos, am Ende von fossilen Brennstoffen und mit der Quittung von extremem Konsum. Trostlos, ohne Hoffnung auf ein besseres Leben. Zwischen diesen beiden Extremen begibt sich ein toller Protagonist auf ein großartiges Abenteuer, voller Freundschaft und Rivalität, voller Bedrohungen und Gefühle und natürlich ganz im schillernden Videospiel-Neonlicht der 80s. Ein fantastisches Abenteuer für alle Nerds und Geeks und jeder der sich für die 80er oder Videospiele im Allgemeinen interessiert!

 

Details:

„Ready Player One“ – Ernest Cline

Fischer Tor Verlag – 27.04.2017

Taschenbuch 9,99€

ISBN 978-3-596-70242-8

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©alienicious


Hinweise:

Das rezensierte Buch habe ich selber erworben.

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